Magdeburg l Sonnabendnachmittag, 15 Uhr, Familienhaus: Gaby Tupper steht mit einem Glas Sekt vor einer Gruppe Männer in Frauenkleidern. "Du bist nicht weniger Mann, bloß weil du einen Rock trägst", sagt die 39-jährige Berlinerin. Tupper - groß, schlank und im kurzen Rock - gibt im Familienhaus einen Tunten-Workshop.

Für Tupper sind Tunten aber nicht nur schrill und bunt - sondern auch politisch. Die Berlinerin berichtet von den Anfängen der CSD-Bewegung. 1969 war es in der New Yorker Christopher Street nach einer Razzia zu Protesten von Lesben und Schwulen gegen staatliche Diskriminierung gekommen. Tunten gehörten damals mit zu den politisch Aktivsten.

Seit den Krawallen in New York gibt es jährlich und weltweit die Christopher Street Days (CSD). In Magdeburg mittlerweile zum 13. Mal. Bis zum 17. August finden in der Landeshauptstadt zahlreiche Veranstaltungen statt. Höhepunkt ist die CSD-Parade am kommenden Wochenende, wo wieder Hunderte Besucher erwartet werden.

Gaby Tupper ist bereits zum dritten Mal in Magdeburg. Für die Berlinerin ist es interessant, wie die Leute außerhalb der Hauptstadt auf sie reagieren. "Berlin ist ein eigener Kosmos", sagt sie. Tupper wohnt in Schöneberg, ist oft in Kreuzberg unterwegs und kennt so ziemlich jede Kleinkunstbühne. "Interessant wird es aber, wenn man in einer Stadt ist, wo es eben nicht fünf Schwulenbars gibt", sagt sie und lacht dabei so herzhaft, dass der Sekt aus ihrem Glas schwappt. Neben ganz praktischen Dingen wie Tipps für den richtigen Kleidungsstil einer Tunte geht es bei dem Workshop auch um Definitionsfragen. Was ist zum Beispiel der Unterschied zwischen einer Tunte und einer Transe? "Ich spiele meine Rolle nicht. Gaby ist ein Teil von mir", sagt Tupper.

Ihr Coming-out hatte Gaby Tupper mit 15. "Meine Eltern haben mich von Beginn an unterstützt", sagt sie. "Man darf nicht vergessen, ich bin in einer Zeit groß geworden, in der Carsten Flöter aus der Lindenstraße die schwule Identifikationsfigur im deutschen Fernsehen war", sagt sie und lacht.

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