Magdeburg l Als Silke Schneider vor einiger Zeit einer Trauerfeier in Rothensee beiwohnte, war sie entsetzt. Aufgrund der baupolizeilichen Sperrung der eigentlich dafür vorgesehenen Friedhofskapelle fand die Feier im Gemeinderaum neben der Reformationskirche statt und war alles andere als dem Anlass gebührend, wie sie schildert. "Das Ambiente war mehr wie in einem Partyraum. Am Ende musste die trauernde Familie noch fegen", erzählt sie. Wann man wieder eine angemessenere Räumlichkeit in Rothensee nutzen kann, wollte sie deshalb wissen.

Die gute Nachricht für sie: Der Abriss für die baufällige Friedhofskapelle an der Oebisfelder Straße ist vorerst zumindest aufgeschoben. Im Mai hatte Oberbürgermeister Lutz Trümper auf seiner Einwohnerversammlung im Stadtteil noch verkündet, dass das Bauordnungsamt dem Stadtgartenbetrieb den "Befehl gegeben hat, sie abzureißen". "Das ist so. Was danach kommt, weiß ich noch nicht", ergänzte er damals.

Nun sieht es aber so aus, als ob die Stadtverwaltung doch eine Sanierung dem Abriss vorzieht, wie Magdeburgs Finanzbeigeordneter Klaus Zimmermann der Volksstimme erklärt. "Dies wird gegenwärtig geprüft", sagt er. Das aktuelle Ziel sei es, das Gebäude zu erhalten: "Wir haben momentan nicht das Ziel, sie stillzulegen." Eine schrittweise Instandsetzung sei denkbar. In ein bis zwei Jahren könnte die Kapelle dann wieder schmuck sein, so Zimmermann.

Entschieden sei jedoch noch nichts, betont er. Sanierungswürdig sei die Kapelle durchaus, aber ob sie auch sanierungsfähig ist, muss nun erst geprüft werden. Fakt ist: Ein möglicher Abriss und ein Neubau wären eine ordentliche Hausnummer hinsichtlich der Kosten. Eine Sanierung käme wohl kostengünstiger.

Voraussetzungen sind somit eine positiv verlaufende Prüfung und grünes Licht vom Stadtrat. Bis zum Ende des Jahres wird der Stadtgartenbetrieb (SFM) diesem eine neue, auf zwanzig Jahre angelegte Konzeption für die Magdeburger Friedhöfe vorlegen. Bis dahin soll auch entschieden sein, wie mit der letzten unsanierten Feierhalle in der Stadt umgegangen wird.

Im Mai 2013 musste die kleine Kapelle mit Bauzäunen abgesperrt werden. Ein Gutachten hatte solch schwerwiegende Bauschäden aufgezeigt, dass dies unumgänglich war, erklärte Stadtsprecher Michael Reif damals. Im Februar dieses Jahres wurde bei einer Vor-Ort-Begehung mündlich eine Abrissverfügung ausgesprochen.

Der Rothenseer Friedhof mit seiner denkmalgeschützten Feierhalle ist mit 1,13 Hektar einer der kleinsten der 16 Friedhöfe der Stadt, für deren Betrieb der SFM verantwortlich ist. Um die zehn Bestattungen werden dort pro Jahr vorgenommen.

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