Magdeburg l Das ist ein ungewöhnliches und auch mutiges Projekt, das sich die Reformierte Kirchengemeinde in der Wallonerkirche vorgenommen hat: Sie will ihr Gemeindehaus in die Kirche bauen und das, ohne den denkmalgeschützten Sakralbau zu beschädigen. "Es wird wie ein Möbelstück in die Kirche eingesetzt", berichtet Gemeindepfarrer Helge Hoffmann im Volksstimme-Gespräch. Platz ist genug vorhanden. Seit ihrer starken Beschädigung im Kriegs-Januar 1945 steht das Mittelhaus der dreischiffigen Hallenkirche leer, Gottesdienste der Altstadtgemeinde und der Reformierten Gemeinde - sie teilen sich die Wallonerkirche - finden im Chor und in einer Kapelle statt. Die schmucklose Kirche ist allerdings komplett restauriert.

Das Gemeindehaus werde wie ein überdimensionaler "Schrank" oder "Schuhkarton" in den Mittelgang zwischen die Säulen eingebaut, sagt Pfarrer Hoffmann. Dieser "Schrank" ist dann aber ein komplettes Gemeindehaus mit Kirchenraum. Zwei Stockwerke werde es haben, Seminar- und Gruppenräume, ein Gemeindebüro, Sanitäreinrichtungen und einen kleinen Fahrstuhl.

Es wird ein helles und optisch "luftiges" Gebäude. "Eine Auflage der Denkmalspflege war, dass man in der unteren Ebene von West nach Ost durch das Gebäude hindurchschauen können muss", sagt Helge Hoffmann. Das heißt, die Wände sind vorn und hinten aus Glas. An den beiden Längsseiten sorgen wandhohe Fenster für Licht. Getragen wird der "Gemeindehaus-Schrank" von einer Stahlkonstruktion, die nur wenig verankert auf dem Fußboden der Wallonerkirche steht. Hineingehen wird man in das ungewöhnliche Gemeindehaus vom Westportal der Kirche aus, das eigens dafür wieder geöffnet wird. In seiner Farbe passt sich das Gebäude-im-Gebäude an den Sandstein des Kircheninneren an. Entworfen hat das Gemeindehaus das Magdeburger Steinblock-Architektenbüro. Baustart wird am kommenden Freitag sein; wenn alles gut läuft, ist das Haus Mitte kommenden Jahres fertig. Kosten wird es dann rund 500.000 Euro.

"Das ist eine gewaltige Summe für unsere Gemeinde", sagt Pfarrer Hoffmann, allerdings sei der Schritt zum Neubau auch notwendig. "Unsere Gemeinderäume sind zu klein und gehören auch der Altstadtgemeinde. Und sie sind nicht barrierefrei zu erreichen." Darum habe sich die Gemeinde entschlossen, etwas Neues zu wagen. "Dabei war dann die Idee ,Warum kehren wir nicht in unsere Kirche zurück´ schnell geboren", so Pfarrer Hoffmann. Die Wallonerkirche gehört seit dem 17. Jahrhundert der Magdeburger Reformierten Gemeinde. "Für uns ist dieses ungewöhnliche Projekt auch ein wichtiger Schritt in die Zukunft", sagt der Pfarrer. Und ein Symbol dafür, dass die Reformierte Gemeinde Magdeburg nach vorn schaue und den Willen habe, sich weiterzuentwickeln.

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