Magdeburg l Seit Monaten tobt der Streit um die Körperbehindertenschule Magdeburg (Volksstimme berichtete). Die Einrichtung am Fermersleber Weg ist völlig überfüllt und in einem teilweise desolaten Zustand. In den nun endenden Sommerferien platzte die Schule tatsächlich aus allen Nähten. Eine Wasserleitung riss und setzte Teile des Schulflures unter Wasser. Eine kleine Lehrküche kann nicht mehr genutzt werden. Die Wände sind völlig verschimmelt (siehe Fotos).

Doch damit nicht genug. Auch hinter den Kulissen ist die Situation völlig verfahren. Derzeit streiten sich Stadt und Landesschulamt vor dem Oberverwaltungsgericht. Denn trotz Überfüllung bekommt Magdeburg neue Schüler aus anderen Landkreisen zugewiesen. Obwohl der Rechtsstreit - bei dem es um drei Kinder aus dem Jerichower Land geht - noch läuft, ist der Schule erneut ein weiteres Kind zugewiesen worden. "Die Flure stehen voller Rollstühle und die Klassenzimmer sind teilweise überfüllt. Ich möchte nicht erleben, dass es hier mal brennt", warnte etwa die Vorsitzende der Elternvertretung, Sabine Woitzik, im Gespräch mit der Volksstimme.

Mehr als 120 Schüler besuchen die Schule. Wobei zwei Drittel aus Magdeburg kommen, die anderen Jungen und Mädchen aus umliegenden Landkreisen. Magdeburg fordert daher, dass die Schule wie ähnliche Einrichtungen in Halle und Tangerhütte Landesstatus erhält. Im Kultusministerium Sachsen-Anhalt lehnt man diese Forderung allerdings strikt ab.

Magdeburg forciert daher eine Sanierung des alten Flachbaus über Stark-III-Mittel. Ist das geschehen, soll die Außenstelle wieder geschlossen werden. Das ist aber wiederum nicht möglich, solange das Landesschulamt der kleinen Einrichtung beharrlich neue Jungen und Mädchen aus anderen Landkreisen zuweist. Sowohl Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper als auch der Beigeordnete Rüdiger Koch attestierten dem Land in den vergangenen Wochen wechselseitig Ignoranz und sprachen von einem Skandal.

Nach Informationen der Volksstimme gibt es nun zwischen Landesschulamt, Kultusministerium und Stadt Gespräche auf "Arbeitsebene". Diese Gespräche sind scheinbar so zaghaft, dass Ministeriumssprecher Martin Hanusch sie gegenüber der Volksstimme lediglich als "zartes Pflänzchen" bezeichnete.

Im Fachbereich Schule und Sport der Landeshauptstadt wird man da etwas konkreter. Es geht darum, dass derzeit der Vorschlag kursiert, andere Fördertöpfe anzuzapfen, damit möglicherweise doch noch eine neue Schule in der Stadt gebaut werden kann. Konkret geht es um Geld für den ländlichen Raum, das möglicherweise auch für dünner besiedelte Stadtgebiete bereitgestellt werden kann. "Das ist noch nicht durchdiskutiert. Außerdem brauchen wir verbindliche Zusagen", heißt es aus dem Fachbereich.

Diese fordert auch der Stadtelternrat. "Es kann nicht sein, dass hier ein Streit auf dem Rücken der Kinder ausgetragen wird", sagte deren Vorsitzender Detlef Hubold. Der Elternrat habe versucht, zwischen Land und Stadt zu vermitteln. Das Land habe sich nun in einem ersten Schritt bewegt. "Nun muss Magdeburg sich bewegen", sagte Hubold der Volksstimme.

 

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