Magdeburg I Seine überaus farbintensiven Bilder verwandelten einst einen Teil des grauen "Atlantikwalls" in expressive Kunstobjekte. Eberhard Matthies (77) hüllte in einem Projekt mit Magdeburger und französischen Schülern die grauen Betonbunker der Normandie in leuchtende Farben.Ab kommenden Freitag, 19. September, ist eine Auswahl dieser Arbeiten in einer Ausstellung mit vier weiteren Künstlern diverser Spielarten der Kunst im Art Depot zu sehen. Am Freitag haben die Aufbauarbeiten begonnen. Bis zu 35 Arbeiten, neben den "Bunkerbildern" vor allem auch Akt- und Landschaftsmalerei in Pastell, werden von Matthies zu sehen sein.

Art-Depot-Chefin Galina Brieger gehört zu den größten Fans des Künstlers. Seit sieben Jahren kennen sie sich. Bei seiner Vernissage im Hundertwasserhaus seien sie sich begegnet. "Ich war seit dem ersten Moment von seinen Bildern fasziniert. Ich kenne keinen, der Pastelle in dieser Größe und Farbe malt", erzählt sie.

Und das hat auch seinen Grund. Denn, wie Matthies verriet, habe er eine ganz eigene Technik - die er natürlich nicht verraten wolle. Er habe sie sich Stück für Stück erarbeitet.

In den 60er Jahren, nach seiner Ausbildung an der Fachschule für angewandte Künste in Magdeburg, verließ er Magdeburg, um in Westberlin an der Hochschule der Künste Theater- und Bühnenbild zu studieren. In den Semesterferien zog es ihn jedoch immer wieder nach Frankreich. Er wollte auf den Spuren seines Vorbildes Vincent van Gogh wandeln; ihm gar nacheifern. "Ich habe schnell gemerkt, dass das nichts wird. Ich musste meinen eigenen Weg finden und meine eigene Technik entwickeln." Das tat er. Allerdings vereinnahmte ihn die Arbeit an den Theatern später so sehr, dass die Malerei auf der Stecke blieb.

Erst seit seinem Ruhestand vor gut zwölf Jahren nimmt er Pinsel und Pastell wieder regelmäßig in die Hand. Im 200 Quadratmeter großen Atelier in der Richard-Wagner-Straße verbringt er Stunde um Stunde - zumeist nachts, bei einem Glas Rotwein. Welche kreativen Früchte die Nachtschichten tragen, ist ab Freitag im Art-Depot zu sehen. Ebenso wie die Arbeiten seines Künstlerfreundes Xavier Lucas aus der Bretagne. Matthies und Lucas haben sich vor zwei Jahren in Frankreich kennen und schätzen gelernt. Bereits im November des vergangenen Jahres stellten sie in Berlin gemeinsam aus. Seine Arbeiten haben wenig mit jenen des Magdeburgers gemein. Sie sind abstrakt und grafisch. Komplexe Objekte setzt Lucas in surreale Kunst um. Finger werden zu Werkzeugen. Ein Rucksack zur Sisyphus-Allegorie. Dabei beschränkt er sich keinesfalls allein auf die grafische Darstellung. Seine Motive finden sich in Fotografien, Objekten und Videos wieder.

Neben Xavier Lucas und Eberhard Matthies stellen zudem Isabel Ristau (alternative Fototechniken), Inka Schröder (Schmuck) und der Magdeburger Michael Kott (Malerei, Grafik) aus. (ka)

Vernissage: 19. September, 18 Uhr im Art-Depot, Große Diesdorfer Straße 200 A. Die Ausstellung ist mittwochs bis freitags von 15 bis 19 Uhr und am Wochenende von 14 bis 19 Uhr geöffnet.

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