Magdeburg l "Dass hier vormittags schon kaum noch Fernzüge fahren, darüber wurde gar nicht richtig informiert", schimpft eine junge Frau, die gegen Mittag verzweifelt versucht, auf dem Hauptbahnhof noch einen Zug Richtung Hannover zu bekommen. "Ich muss zum Flughafen", fleht sie förmlich. Doch der Lokführer verweist sie an den Infoschalter im Bahnhofsgebäude. "Fragen Sie nach, was noch geht", meint er.

Ein schwacher Trost ist das auch für viele andere Reisende an diesem Mittwoch, dem Streiktag bei den Lokführern. Offiziell zwar erst ab 14 Uhr angekündigt, geht schon seit dem Morgen vor allem im Fernverkehr kaum noch etwas. Auf dem Magdeburger Hauptbahnhof stranden deshalb bis Mittag schon zahlreiche Reisende, die versucht hatten, sich mit Regionalzügen zum Ziel zu hangeln. Offenen Protest übt zwar kaum jemand unter den Fahrgästen angesichts der massiven Einschränkungen, Frust ist aber von so manchen Gesichtern abzulesen. Bei einer älteren Dame liegen die Nerven blank. Sie schimpft in der Empfangshalle laut auf einen jungen Mann, der sich wohl am Infoschalter vorgedrängelt hat.

Informationen sind wertvoller denn je an diesem Tag im Bahnbetrieb, an dem alles anders ist, weil die Lokführergewerkschaft zum Streik gerufen hat. Das Verständnis dafür hält sich bei den Bahnkunden in Grenzen. "Man kann über die stattlichen Forderungen wirklich streiten. Aber tauschen möchte ich mit den Lokführern auch nicht. Solche Arbeitszeiten und große Verantwortung, das ist nicht ohne", findet Annette Franke aus Magdeburg. "Ich habe schon ein bisschen Verständnis für die Lokführer. Aber sie streiken ja so oft. Langsam wird es nervig", meint dagegen Eileen Schmäschke, die zum Glück "nur" nach Zielitz will und nicht durch halb Deutschland wie viele andere.

Gerade die Fernreisenden stehen mit ratlosen Blicken vor den elektronischen Anzeigetafeln oder warten an den Auskunftsschaltern: Fährt er, der Zug? Oder fährt er nicht? Welche Alternativen gibt es? Die von der Bahn angebotene Rückzahlung für nicht eingelöste Tickets hilft in dem Moment nicht weiter. Oft müssen die Damen hinter den Schaltern mit den Schultern zucken. "Wir wissen nicht, wie groß die Streikbeteiligung am Ende sein wird. Das entscheidet jeder Lokführer selbst", erklärt eine Bahnsprecherin in Berlin auf Volksstimme-Anfrage. Man habe Fernzüge schon seit dem Morgen in den Startbahnhöfen gelassen, um zu verhindern, dass sie in diversen Bahnhöfen stecken bleiben.

Viele Unwägbarkeiten, wenig Klarheit. Da stiegen viele Bahnkunden dann doch lieber gleich auf Busse oder Mietwagen um oder nutzten vermehrt Fahrgemeinschaften. Große Autovermieter wie Sixt oder Hertz meldeten auch in Magdeburg überdurchschnittliche Nachfrage. Spätestens zum Mittag ging auch hier bei den Leihwagen nichts mehr: Alle Mietwagen ausgebucht.

   

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