Magdeburg l Mindestlohn, Konkurrenz vom umstrittenen Online-Fahrgastdienst "Uber" - das Taxigewerbe blickt sorgenvoll in die Zukunft. "Wir rechnen fest damit, dass es zu Entlassungen kommen wird", sagt der Chef der Taxigenossenschaft Magdeburg, Frank Tempel. Am vergangenen Montag war bekannt geworden, dass im Burgenlandkreis die Taxigebühren um mehr als 30 Prozent von bisher 1,90 auf 3,10 Euro pro Kilometer steigen werden. Fast überall im Land laufen derzeit Verhandlungen. Heute werden erstmalig in diesem Jahr auch der Taxiverband Magdeburg und Vertreter des Ordnungsamtes zusammentreffen, um über die neuen Tarife zu sprechen. Im Rathaus bestätigte man das Treffen, bat aber um Verständnis, dass man sich vorab nicht zu Inhalten äußern wolle.

Denn nach Informationen der Volksstimme gehen die Meinungen zwischen Taxifahrern und Verwaltung auseinander. Während der Verband eine deutliche Anhebung für nötig hält, will das Amt die Preisschraube so wenig wie möglich drehen. Beide müssen sich aber einigen, damit im Tarifgebiet die Taxameter geeicht werden können.

Derzeit kostet eine Fahrt in Magdeburg 2,80 Euro Grundtarif. Hinzu kommen 2,60 Euro für den ersten Kilometer und 1,60 Euro für jeden weiteren Kilometer. Mit einer Tarifanpassung von 30 Prozent würde der Grundtarif bei 3,60 Euro liegen, 3,60 für den ersten Kilometer und 2,10 Euro für jeden weiteren.

Die Taxifahrer hatten gehofft, dass der Bundesverband doch noch eine Einigung mit der Gewerkschaft Verdi erreichen würde. Der Verband hatte eine schrittweise Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro gefordert. Die Gespräche scheiterten. Ab 1. Januar muss auch das Taxigewerbe den Mindestlohn zahlen. "Viele Unternehmer können sich die zwei bis drei Euro pro Stunde mehr nicht leisten", sagt Tempel. Der Magdeburger Unternehmer ist auch Vorsitzender des Landesverbandes Personenbeförderung Taxi Mietwagen Sachsen-Anhalt. Derzeit liegt der durchschnittliche Stundenlohn zwischen 5 und 6,50 Euro. Wenn ein Fahrer in der Woche an einem Tag zwischen 50 und 60 Euro verdient, der Unternehmer aber inklusive Sozialabgaben 80 Euro zahlen muss, dann rechne sich das nicht, so Tempel.

Bis zum Jahresende muss der neue Tarif stehen, weil dann auch die Taxameter geeicht werden. Außerdem wollen die Taxiunternehmer eine Anpassung ihrer Pflichten erreichen. Bisher müssen die Fahrzeuge fünf Tage die Woche und acht Stunden am Tag vorgehalten werden. "Das ist nicht mehr finanzierbar", sagt Tempel.

Eine Einigung zwischen Stadt und Verband heute ist eher unwahrscheinlich. Realistisch ist Anfang November. "Wir lassen das alles gerade ein bisschen auf uns zukommen. Das ist eine völlig neue Situation für uns. So etwas hat es in Deutschland bisher noch nicht gegeben", so Tempel weiter.

In Deutschland gibt es viele unterschiedliche Tarifzonen. Das führt dazu, dass die Preisschraube auch unterschiedlich stark angezogen werden wird. Steht der neue Tarif in Magdeburg, ist der dann für alle 150 Taxi-Unternehmer verpflichtend. 90 Prozent der Magdeburger Taxi-Firmen betrifft der Mindestlohn, zehn Prozent sind alleinfahrende Unternehmer.