Magdeburg l Die schwierigste Aufgabe für ihn als Künstler sei es gewesen, "wie man heutzutage einen Engel darstellen soll", sagt Wolfgang Roßdeutscher. "Das hat mir einige Bauchschmerzen bereitet, weil das schnell in Kitsch abrutschen kann", erklärt er. Von feinem Marmorstaub bedeckt steht er im Garten seiner Sohlener Bildhauerwerkstatt und führt letzte Arbeiten an den beiden weiß-grauen Marmorblöcken aus, die die neue Skulptur für den Neustädter Friedhof bilden.

Dieser letztendlich von der Friedhofsverwaltung und den Gemeinden St. Nicolai und St. Martin ausgewählte Entwurf sowie seine anderen Ideen sind bereits in der Kapelle auf dem Neustädter Friedhof zu sehen gewesen. Gleich nach dem Diebstahl des Bronzeengels vor zwei Jahren stand für die Gemeinden fest: Eine neue Skulptur soll her. Viele Spenden wurden seitdem gesammelt, in diesem Jahr konnten sie nun ihren Zweck erfüllen.

Dass der Engel nicht wieder aus Bronze sein wird, stand außer Frage. Das ist heute kaum bezahlbar, meint der Künstler. Außerdem ein ausschlaggebender Grund für diese Entscheidung: Stein klaut keiner. Zwei einzelne, 30 Zentimeter starke und über zwei Meter hohe Blöcke aus türkischem Marmor bearbeitet der Bildhauer deshalb seit Mai mit Hammer und Meißel, um den Umriss des "Verlorenen Engels" herauszuformen. "Es ist wie das Negativ eines Fotos", sagt er.

Einer der Steine ist etwas größer und breiter als der andere, durch eine räumliche Versetzung soll es zu interessanten Lichtspielen kommen, beschreibt der Künstler. Gut 1,7 Tonnen wiegt jeder der Blöcke, ein ordentliches Fundament muss deshalb noch auf der Urnenanlage gegossen werden, erklärt Roßdeutscher, bevor die beiden Blöcke wohl in der Woche vor dem diesjährigen Ewigkeits- oder Totensonntag am 23. November aufgestellt werden können. Für diesen Tag plant die Friedhofsverwaltung die feierliche Einsegnung des neuen Engels. Das werde noch einmal ein schwieriges Unterfangen, weil der Zugang schwierig ist, meint Roßdeutscher.