Magdeburg l Umweltbeigeordneter Holger Platz (SPD) berief zur Verkündung der Entscheidung extra eine Pressekonferenz ein. Das verdeutlicht einmal mehr, wie brisant das Thema ist. Seit Monaten liefern sich Befürworter und Gegner einen harten Streit. Zuletzt hatten die Grünen ein Gutachten erarbeiten lassen. Es hatte eine Chance für den Fortbestand der Linden trotz Bauarbeiten gesehen. Aus Sicht der Verwaltung habe es aber die Argumente der Stadt nicht widerlegen können. Bei der Betrachtung gehe es nicht um einzelne Bäume, sondern nur um die Gesamtheit der Baumreihe und ihre Schutzwürdigkeit, so Platz.

Am vorläufigen Höhepunkt der Debatte steht nun ein "Bescheid" des Umweltamts. Auf Antrag des Tiefbauamtes wird amtlich die Fällung der Linden in der Zollstraße genehmigt. Die untere Naturschutzbehörde - kurz Umweltamt - argumentiert, dass der Baumbestand die Bauarbeiten zur Errichtung einer Hochwasserschutzwand nicht überstehen würde. Das treffe vor allem für die rund 40 Prozent der Bäume zu, die schon vorgeschädigt seien. Sie würden einen Eingriff in ihren Wurzel- und Kronenbereich nicht überstehen. "Damit ist auch nachgewiesen, dass die Baumreihe an sich nicht mehr erhalten bleiben kann", so Platz. Die besondere Schutzwürdigkeit der Baumreihe sei damit nicht mehr gegeben. Zudem scheiden nach Ansicht von Platz Alternativtechnologien für den Bau der Mauer aus.

In Auswertung des Hochwassers 2013 plant die Stadtverwaltung zum besseren Schutz des Werders eine Mauer mit Spundwand um den Stadtteil. In der Zollstraße müssen dafür die Linden gefällt werden. Platz: "Bei einem neuen Hochwasser können wir kein zweites Mal eine Sandsackburg um den Werder bauen. Dann müsste der Werder evakuiert werden." Die neue Mauer soll genau das verhindern.

Die Befürworter einer Alternative haben die Entscheidung des Umweltamtes mit Enttäuschung entgegengenommen. Timo Gedlich, Grünen-Stadtrat und Vorsitzender des Umweltausschusses, sagte: "Wir bedauern die Zustimmung zur Fällung, fühlen uns übergangen und nicht ernst genommen."

Ob die Entscheidung das Ende der Debatte bedeutet, muss abgewartet werden. Nach Angaben der Stadt bestehe gegen den Bescheid kein Klagerecht. Aus den Reihen der Linden-Schützer war das Gegenteil zu vernehmen. Das Verwaltungsgericht war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Unabhängig davon werden Fakten geschaffen. Der Bau der Mauer wird morgen im Vergabeausschuss an eine Baufirma vergeben. Läuft alles wie geplant, wird ab Anfang Dezember gebaut und die Linden verschwinden.

Im Frühjahr 2016 werden 70 neue Kaiser-Linden mit einem Stammdurchmesser von 20-25 Zentimetern gepflanzt. 10 bis 15 Jahre später soll der Charakter der typischen Baumreihe an der Zollstraße dann wieder sichtbar sein.