Magdeburg l Als erstes Unternehmen in Magdeburg hat das Herrenkrug-Hotel zu einer eigenen Komplettlösung in Sachen Hochwasserschutz gegriffen. Anstatt sich auf den kommunalen oder staatlichen Schutz gegen die Elbefluten zu verlassen, "schottet" sich das Hotel bei Hochwasser selbst ab.

Und das aus gutem Grund. Das Hochwasser vom vergangenen Jahr hat dem Unternehmen einen Schaden von rund 15 Millionen Euro zugefügt. Dagegen war man versichert. Aber: Damit sich das Hotel weiter gegen Hochwasser versichern kann, musste ein eigenes Schutzsystem installiert werden. "Das war die Auflage unserer Versicherung", sagte Marketing-Chefin Heike Nagott. Lange habe man nach einem geeigneten System gesucht, sich dann für ein mobiles Schutzwandsystem aus Spundwänden entschlossen. "Diese Systeme gibt es in Köln und Dresden, und sie haben sich dort bewährt", so Heike Nagott.

Insgesamt ist die Spundwand 536 Meter lang und umschließt das komplette Gelände, auf dem die Gebäude des Hotels stehen. Eine Art von Tor oder Durchgänge gibt es nicht. "Die Wand ist rundherum dicht und bei Hochwasser ist man entweder draußen oder drinnen. Auch Übergänge sind nicht vorgesehen", sagt Heike Nagott.

Zwei Tage Aufbauzeit

In dieser Woche fand eine großangelegte "Trockenübung" für den Aufbau des Systems statt. Dabei wurden rund 1500 sogenannte "Dammbalken" aus Aluminium (10 Zentimeter Dicke/20 Zentimeter Höhe) verlegt. Die Balken werden zwischen Aluminium-Stützpfeiler geschoben, die in einem Abstand von etwa 1,5 Metern aufgestellt sind. Für diese 220 Pfeiler musste in den vergangenen Monaten ein Streifenfundament rund um das Hotel gebaut werden. Zwischen den Dammbalken sorgen Gummidichtungen und eine spezielle Form der Kanten (Nut und Feder) dafür, dass die Spundwand auch wasserdicht ist.

Dadurch, dass die Konstruktion aus Aluminium besteht, muss beim Aufbauen nicht mit großen Gewichten "gekämpft" werden, gleichzeitig hat die Spundwand aber dennoch eine so große Festigkeit, dass sie dem möglichen Druck eines Hochwassers standhält.

Auf die Frage nach der Höhe der Spundwand sagt Heike Nagott, dass diese wegen der Höhenunterschiede im Gelände nicht überall gleich sei. "Grundsätzlich ist die Wand aber überall 88 Zentimeter höher als der höchste Hochwasserpegel von 2013. Und der lag bei 7,46 Metern."

3,3 Millionen Euro

Der Aufbau der Hochwasserschutzwand hat insgesamt zwei Tage gedauert. "Die Zeit reicht im Ernstfall aus", so Heike Nagott. "2013 hatten wir vier Tage Zeit, um das Hotel zu evakuieren." Umgesetzt wurde der Testaufbau von einem Magdeburger Unternehmen, die Spundwand selbst hat eine Spezialfirma aus Winsen (Niedersachsen) konstruiert und herstellen lassen. "Die Magdeburger Firma wird auch im Ernstfall den Aufbau übernehmen", so Heike Nagott. Dabei werde die Spundwand so gelagert, dass sie in relativ kurzer Zeit zur Verfügung stehe.

Gekostet hat das Schutzsystem rund 3,3 Millionen Euro, wobei das Hotel einen Teil aus Fördermitteln des Landes finanzieren konnte.

Ob die Spundwand tatsächlich dicht ist, daran zweifelt Heike Nagott nicht, auf den konkreten Beweis dafür - noch ein Hochwasser - kann sie allerdings "gern verzichten".

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