Magdeburg l Marcel Guderjahn sitzt nicht in Bus oder Bahn am Steuer; der Magdeburger ist gelernter Koch - und sitzt als Parteiloser für die Linke im Stadtrat. Wie viele andere Magdeburger trieben und treiben Guderjahn aber Fragen mit Blick auf den Zustand des Magdeburger Nahverkehrs, regelmäßig von der Kundschaft gerügte Verspätungen und Ausfälle und im September sogar der Einstellung ganzer Linien wegen akuter Personalnot um. Im November stellte Guderjahn eine Anfrage an den Oberbürgermeister und darin einige Vermutungen an. Beispiel: "Sind Sie, wie ich, der Meinung, dass es sich bei diesem hohen Krankenstand um eine Art Protest der Angestellten gegen die Lohnpolitik des Betriebes handelt?" Die MVB beschäftigen 56 Busfahrer im Tochterunternehmen MVG; sie sind vertraglich und finanziell schlechter gestellt als die MVB-Belegschaft. Oder, so vermutet Guderjahn weiter, ist die fehlende Berufserfahrung junger Fahrer schuld an der hohen Ausfallquote.

Das Stadtoberhaupt lässt den auch für die Stadtfirmen zuständigen Finanzbeigeordneten Klaus Zimmermann antworten; seine schriftliche Stellungnahme entstand unter Mitarbeit der MVB, liegt nun druckfrisch vor und könnte - was Guderjahns Vermutungen betrifft - sinngemäß überschrieben sein mit einem energischen: Bewahre! Die Annahme der Stadtrates, die Krankenscheine im September hagelten aus Prostest in die Büros von MVB und vornehmlich MVG, stelle für die Stadtverwaltung und für die MVB-Geschäftsführung "einen völlig neuen Aspekt dar", so Zimmermann. "Diese Annahme würde ja implizieren, dass die Mitarbeiter tatsächlich gar nicht krank gewesen wären, wovon wir jedoch nicht ausgehen."

Im Gegenteil sprächen die Zahlen zum Krankenstand abseits der September-Spitze für "eine hohe Einsatzbereitschaft". Durchschnittlich meldeten sich im gesamten September 6,13 Prozent der etwas mehr als 50 Busfahrer der MVG krank; beim (vertraglich etwas besser gestellten) Fahrpersonal der MVB (rund 300 Bus- und Bahnfahrer) lag die Quote dagegen bei 9,25 Prozent. Heißt: Jene, die bei der MVG 40 Stunden pro Woche ableisten, waren zum Zeitpunkt weniger krank als ihre 38 Wochenstunden fahrenden MVB-Kollegen. Speziell die jungen, erst in den Jahren 2013/14 eingestellten Fahrer erwiesen sich bei der MVG als sehr gesund (Krankenstand 2014 bis November 1,3 Prozent, vgl. MVB 6,9 Prozent).

MVB-Sprecher Tim Stein verweist darauf, dass sein Unternehmen die Ursachen für die massenhaften Ausfälle im September gemeinsam mit den Krankenkassen analysiert habe. "Es handelte sich um eine Grippewelle, vereinzelt um andere Erkrankungen, bei denen Rückenbeschwerden etwas hervorstechen." Einen Krankenstand von durchschnittlich 8,5 Prozent kalkulieren die MVB in ihr Personaltableau ein; die 18 Prozent vom vergangenen September überstiegen das, worauf sich das Unternehmen einrichtet, um mehr als das Doppelte.

Die MVB versuche mit verbessertem Gesundheitsmanagement gegenzusteuern: "Wir bieten montags um 12.45 Uhr die ,aktive Pause` als sportlichen Ausgleich an, die auch gut angenommen wird. Außerdem können unsere Mitarbeiter Kurse zum Stress- und Konfliktmanagement belegen." Das Unternehmen beteiligt sich an einer Studie der Otto-von-Guericke-Universität zu den Auswirkungen von Schichtarbeit. "Die Ergebnisse liegen 2015 vor und abhängig davon, wie sie ausfallen, werden wir Maßnahmen ergreifen."

Aktuell rollen Busse und Bahnen nach Plan. Im Oktober waren durchschnittlich 8,4 Prozent der Bahn- und 6,6 Prozent der Busfahrer erkrankt.

Im Rückblick auf den "kranken September" haben die MVB eine banale Neuerung zur Gesunderhaltung ihrer Belegschaft eingeführt. Tim Stein: "In Vorbereitung auf die nächste Grippewelle stellen wir jedem Fahrer Desinfektionsmittel zur Seite."