Magdeburg l 870 Handtücher, 452 Mal Bettwäsche, 123 Wolldecken. So liest sich die Liste der Spenden, die Magdeburger für die ukrainische Partnerstadt Saporoshje zusammengetragen haben. 5000 Kilogramm Hilfsgüter füllen den Container. "Wir warten auf die Rückmeldung der ukrainischen Behörden, dann kann es losgehen", sagt Martina von Witten, Vorstandsmitglied des Regionalverbandes Magdeburg/Börde/Harz der Johanniter-Unfallhilfe.

Was einfach klingt, hat die Johanniter-Mitarbeiter im Vorfeld viel Arbeit gekostet. Der Hilfsverein ist verantwortlich für den komplizierten Transport der Spenden. "Wir haben lange gebraucht, um eine Spedition zu finden, die Erfahrung hat mit Ukraine-Transporten", erklärt von Witten. Die Fahrt dorthin sei wegen der anhaltenden Konflikte sehr gefährlich.

Hohe Kosten

Der Verband habe unter anderem Transportangebote mit Begleitfahrzeug geprüft, aufgrund der hohen Kosten jedoch wieder verwerfen müssen. Mittlerweile ist ein Fuhrbetrieb beauftragt, der sich auch mit den landesüblichen Gepflogenheiten auskennt. Die Kosten dafür begleicht der Verein aus Spendenmitteln.

Parallel dazu haben die Mitarbeiter des Regionalverbandes Magdeburg/Jerichower Land des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) die bürokratischen Hürden überwunden. Da die Hilfsgüter Zollbestimmungen unterliegen, muss der Verband jedes davon detailliert beschreiben. "Wir mussten eine Stückliste des gesamten Containerinhalts erstellen mit Angaben zum Gewicht und dem Wert der einzelnen Dinge", erklärt Geschäftsstellenleiterin Britta Goehring. Übersetzt ins Ukrainische hat das DRK die Frachtpapiere nach Kiew geschickt. Die ukrainischen Behörden müssen die Einfuhr jetzt als humanitäre Hilfe genehmigen. "Wir rechnen mit der Bestätigung ab Mitte Januar", sagt Goehring.

Unerwarteter Aufwand

Dass die vom städtischen Sozialdezernat gemeinsam mit den Regionalverbänden des DRK und der Johanniter-Unfallhilfe organisierte Hilfsaktion so viel Arbeit bedeutet, habe sie nicht erwartet, sagt Simone Borris. Die Sozialbeigeordnete erzählt: "Wegen der vielen Formalien hat sich die Organisation insgesamt schwierig gestaltet."

Im Gegensatz dazu war einzig die Spendensuche unkompliziert. Ende Oktober hatte sich Rathauschef Lutz Trümper an die Magdeburger gewendet. "Und innerhalb einer Woche war der Container voll", sagt Goehring. Handtücher, Bettwäsche, Wolldecken, Töpfe, Tische, Stühle, Zelte, Hygieneartikel, Windeln und Bio-Toiletten haben Magdeburger und Bürger aus dem Umland abgegeben. 300 Feldbetten aus den Beständen des Katastrophenschutzes stellt die Landeshauptstadt zur Verfügung.

Verpackt und beschriftet sind die Spenden bereit für den Transport nach Saporoshje. Dort werden sie dringend benötigt. Denn während Trümpers dortiger Amtskollege Olexander Sin im Oktober um Hilfe für mehr als 9000 Menschen gebeten hatte, hat sich deren Zahl inzwischen verdoppelt. "Mittlerweile sind etwa 18000 Flüchtlinge in der Stadt", sagt Magdeburgs Koordinator für Städtepartnerschaften Uwe Zachert. Ein Ende des Flüchtlingsstroms aus der von Kämpfen betroffenen Ostukraine nach Saporoshje ist nicht in Sicht. Und der harte Winter ist im Anmarsch.