Was bleibt von dem, was wir wahrnehmen, im Gedächtnis? Hunderte Besucher haben am Sonnabend während der langen Nacht der Kunst im Kloster Unser Lieben Frauen gelauscht und geschaut. Auf Antworten aus Kunst, Musik, Literatur und Tanz.

Magdeburg l Orgelklänge hallen durch das von Stuhlreihen befreite Kirchenschiff. Erste Schlagzeugtakte sind zu hören, werden lauter, grollen, donnern durch das historische Gemäuer. Gerhard und Thomas Noetzel verbinden beides zu einem raumfüllenden Stück, zwischen andächtig und kraftvoll-rhythmisch. Ein Werk, das die Besucher der Langen Nacht der Kunst im Kloster Unser Lieben Frauen in ihrem Gedächtnis ablegen können. Der Abend steht unter dem Titel "Sehen. Hören. Sich erinnern". Er lädt ein, sich mit Arbeiten zur Zeit und deren Vergehen zu beschäftigen.

"Was das Programm betrifft, sollte für jeden etwas dabei sein", sagt Annegret Laabs. "Wir gehen mit der Veranstaltung bewusst auf Masse, denn der Jahresanfang ist in puncto Besucherzahlen für uns eine problematische Zeit", erzählt die Museumsleiterin. Insgesamt habe sich die Zahl der Besucher im Jahr auf etwa 50000 eingependelt. Höhepunkte sind, so Laabs, die Ausstellungen und Kunstveranstaltungen. "Die Lange Nacht ist etwas ganz anderes. Sie ist eine Möglichkeit, das Haus kennenzulernen. Jedoch keine Touristen-Veranstaltung, sondern speziell für das Magdeburger Publikum."

Das kommt der Einladung in Scharen nach. Allein, im Paar, mit Freunden, mit Kindern. "Wenn so etwas angeboten wird und dann auch noch etwas für die Kleinen dabei ist, nehmen wir das gern wahr", sagt Katja Elias. Im Kinderatelier schaut sie ihrer sechsjährigen Tochter Mathilda beim Malen zu. Stephan Hoenen und seine Frau Cordelia nutzen die Lange Nacht, um sich die aktuelle Ausstellung "Daily Memories" anzusehen. Die Schau um Kunst als Instrument zum Speichern von Erinnerungen steht im Mittelpunkt der Museumsnacht. Stephan Hoenen sagt: "Die Fotoreihen sind klasse. In den Bildern spiegle ich mich selbst. Das ist eine tolle Art, das Vergehen der Zeit darzustellen." Nicholas Nixon zeigt in 39 Fotografien jeweils seine Frau und ihre drei Schwestern. Die Bilder sind im Abstand von einem Jahr entstanden und zeigen eindrücklich den Prozess des Alterns. Hans-Peter Feldmann hat 101 Menschen im Alter zwischen null und hundert Jahren porträtiert, die jeweils ein Lebensjahr vertreten.

Kunst erleben bis lang über Mitternacht hinaus

Am Kunstwerk "Portable City", das eine aus gebrauchter Kleidung gebaute Stadt in einem Koffer zeigt, rätseln Ute Kuchink Kiehn und Volker Kiehn, welche Stadt wohl gemeint sein könnte. Kiehn sagt "Im Grunde ist es egal. Das ist eine schöne Idee. Es ist witzig. Das macht es einfacher, es zu verstehen."

Nicht ganz so einfach zu verstehen scheint außerhalb der Ausstellung die Klang-Installation "In Order" von Douglas Henderson. Acht kupferne trichterförmige Lautsprecher bringen Stimmgewirr kreuz und quer durch die Kapelle. Ein Spiel mit der gewohnten Raumwahrnehmung. "Daraus werde ich nicht schlau", sagt Besucherin Hanna Dinnies und schlendert zum nächsten Werk. Einige davon hat sie noch vor sich. Und noch einige Stunden Zeit, bevor auch im Kloster das Licht ausgeht.

   

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