Ostelbien blickt auf eine lange und wechselhafte Geschichte zurück. Manfred Thiel ist auf Spurensuche gegangen und veröffentlichte ein Lesebuch mit Geschichten, Erinnerungen und Wissenswertem aus dem Magdeburger Osten.

Von Michaela Schröder

Ostelbien l Manfred Thiel komponiert eigene Lieder, malt, schreibt Romane, Reiseführer, kurze Erzählungen und Gedichte, eng verbunden mit seiner Heimat. Eine alte Villa in der Eichendorffstraße bewegte den 74-Jährigen zu seinem Buch "Margarethenhof. Magdeburg Nord-Ost". Ein Buch mit zahlreichen Anekdoten aus dem Magdeburger Osten, gespickt mit Wissenswertem und Geschichten.

"Ich suchte nach einer neuen Idee, nachdem ich bisher sechs Bücher veröffentlicht hatte. Im November 2012 ging ich im Margarethenhof spazieren, in dem über 40 Jahre russische Familien, Militärangehörige, gewohnt hatten. Und dann schockte mich eben dieser Anblick. Vor mir stand diese `Ruine`. Ringsum schöne wieder hergerichtete Villen und neue Appartementhäuser, nur diese Villa war heruntergekommen", erzählt der Rentner. Den Magdeburger Osten hatte Manfred Thiel schon als Kind in den fünfziger Jahren durchstreift. "Ich kannte den Cracauer Anger, Puppendorf, das Stadion `Neue Welt`, alles an der Berliner Chaussee, den Herrenkrugpark, Rennbahn, Biederitzer Busch - allerdings aus kindlicher Sicht", erzählt der Hobby-Autor. Der Rentner begab sich auf Spurensuche und war bestrebt, bedeutende und interessante Aspekte der wechselhaften Heimatgeschichte Ostelbiens von damals bis heute darzustellen und das Geschehen durch Bilder zu verdeutlichen.

Vom Kommissar zum Autor

Der gebürtige Magdeburger war einst Werkzeugmacher und später bei der Kriminalpolizei. 2000 ist er in den Ruhestand gegangen. "Was nun? Da ich mich bisher im Haushalt erfolgreich dumm angestellt hatte, war ich nicht zu gebrauchen. Also musste ich eine Beschäftigung finden", erzählt Manfred Thiel und muss lachen. Zunächst begann er zu malen und fertigte Reliefs an, welche die Eigenheiten und Merkmale von Städten aus der Region darstellen. "Davon hängen die meisten heute in den Gemeinden, u. a. in Burg und Gommern", berichtet Thiel. Auf der Suche nach günstigen Holzplatten für seine Bilder, die er meist aus dem Sperrmüll fischte, kam der Laienkünstler viel rum. Über seine "Reisen" durch das Jerichower Land schrieb er sein erstes Buch.

"Ich habe so viel ältere Menschen kennengelernt, die froh waren, sich mit mir über ihr Leben zu unterhalten", berichtet Thiel. Viele dieser Anekdoten sind in seine Romane eingeflossen, so wie in seinem wohl bekanntesten Roman "Zeitreise - Eine deutsche Familie im 20. Jahrhundert". "Eine Familie, die es so nicht gab, die es aber tausendmal so gegeben hat", sagt Thiel.

Mittlerweile hat der Magdeburger zehn Bücher geschrieben, neun davon wurden im Blauer Punkt Verlag Magdeburg veröffentlicht. Nur ein Sciencefiction-Roman blieb nach seiner Fertigstellung in der Schublade des Hobby-Autors. "Ich schreibe nicht, um berühmt zu werden, schon gar nicht damit Geld zu verdienen - es kostet bisher ja nur", verrät Manfred Thiel. Trotzdem ist er stolz darauf, dass die Thalia-Buchhandlung im Allee-Center drei seiner Bücher ins Sortiment aufgenommen hat. Aus der Familie erfährt der Rentner viel Zustimmung. "Nur meine Frau passt auf, dass ich nicht unser Erspartes für das Schreiben ausgebe", erzählt Manfred Thiel mit einem Augenzwinkern.

Weitere Romane geplant

Wer so wie Manfred Thiel "Blut geleckt hat" mit dem Schreiben, der sucht immer wieder ein neues Thema. Zurzeit beschäftigt sich der 74-Jährige mit seiner Familiengeschichte. "Eigentlich wollte ich nur einen Stammbaum erstellen, aber da fand ich so viel Interessantes, Nebensächliches, Historisches - dass eine romanhafte Bearbeitung fast zwingend erscheint", so der Hobby-Autor und ergänzt: "Meine Spur ging bis in das Jahr 1760 zurück und bisher fand ich so vieles in Ämtern, Bibliotheken, Archiven, Museen und besonders interessierte Menschen, die mir halfen." Auch sein nächstes Buchprojekt mit dem Arbeitstitel "Magdeburg, wo unserer Großeltern feierten" steht schon in den Startlöchern.