In unmittelbarer Nachbarschaft des Katharinenturms (früher Haus der Lehrer) wird das Portal der Katharinenkirche wiedererrichtet. Die Kirche war im Mittelalter gebaut und im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt worden. 1964 wurde das Kirchenschiff, in das wieder Gemeindeleben eingezogen war, gesprengt. 1966 wurden die beiden Türme entgegen den ursprünglichen Plänen abgerissen und mit ihnen das Portal.

Finanziert wird der Wiederaufbau über Spenden. Das Konto hat die Landeshauptstadt Magdeburg eingerichtet. Unter dem Stichwort "Spende für das Katharinenportal" können Bürger, Unternehmen und Organisationen ihren Beitrag auf das IBAN-Konto DE02 8105 3272 0014 0001 01 überweisen. Das Konto wird von der Stadtsparkasse (BIC: NOLADE21MDG) geführt.

Ein Katharinenfest ist für den 11. April geplant. Neben Informationen zum Thema sollen von 11 bis 13 Uhr Spiel, Spaß und Unterhaltung am Katharinenturm geboten werden.

Aktuelle Informationen samt Spendenuhr, mit aktuellen und mit historischen Fotos gibt es unter www.katharinenportal-magdeburg.de auf einer neuen Internetseite. (ri)

Magdeburg l Mit dem alten Portal der zerstörten Kirche soll am Katharinenturm im Breiten Weg ein Stück Geschichte zurück ins Magdeburger Stadtbild und ins Bewusstsein der Menschen geholt werden. Auch wenn die Wobau eine treibende Kraft und ein Unterstützer hinter diesem Vorhaben ist - gefragt ist das Engagement von Bürgern. Grund: Der Wiederaufbau soll aus Spenden finanziert werden - siehe Infokasten.

Jetzt haben sich Mitglieder des Kuratoriums, welches das Projekt begleitet, im Naturstein- und Baubetrieb Paul Schuster in der Münchenhofstraße getroffen. Paul Schuster hatte beim Abriss des Kirchturms die Originalsteine geborgen. Ohne seinen Einsatz und den seiner Söhne wäre das Material wahrscheinlich für den Unterbau von Straßen oder den Bau von Häusern verwendet worden.

Derzeit geht es um technische Fragen. Frank Schuster sagt: "Die einzelnen Teile sind genau nummeriert." Für zwei Halbreliefs mit Engeln muss noch geklärt werden, ob sie sich im Technikmuseum oder am Hafen befinden. Große Teile der Originalsteine befinden sich nach wie vor auf dem Gelände des Baubetriebs in der Münchenhofstraße. Will heißen: Das virtuelle Portal-Puzzle ist im Wesentlichen gelöst.

Fragen zur Befestigung am Beton werden geklärt

Technische Fragen ergeben sich vor allem daraus, wie das Portal stabilisiert werden soll. Denn klar ist, dass es nicht frei stehen kann. Und die jahrhundertealte Kirche als Hinterbau fehlt. Daher soll eine Betonwand errichtet werden, an der die Steine Halt bekommen. Dazu muss jetzt festgelegt werden, an welchen Stellen die Befestigungen in der Wand angebracht werden - nachdem die Wand nämlich betoniert ist, ist das kaum noch möglich. Hans-Jörg Schuster erläutert: "Knifflig ist das nicht zuletzt deshalb, weil das Katharinenportal nicht völlig symmetrisch ist." Das liegt zum einen am Zahn der Zeit, der auch am Stein nagt. Aber auch daran, dass die Erbauer des Katharinenturms ihre Arbeit von vornherein den ganz und gar nicht symmetrischen Gegebenheiten angepasst haben. Hans-Jörg Schuster sagt: "Die Herausforderung besteht darin, die Betonmauer bündig mit dem Portal abschließen zu lassen - schließlich soll vom Beton so wenig wie möglich zu sehen sein." Das bedeutet im Übrigen auch, dass die Fußgänger das frei stehende Tor im Breiten Weg durchschreiten können - ohne dabei allerdings wie in früheren Zeiten in den Innenraum eines Gebäudes zu gelangen.

Steine müssen für den Aufbau vorbereitet werden

Neben den Fragen zur Befestigung des Gemäuers geht es auch darum, die Originalsteine, die zwischen 30 Kilogramm und drei Zentnern wiegen, aufzuarbeiten. An einigen ist nur wenig von der Oberfläche abgeplatzt, an anderen fehlen große Eckstücke. Unverkennbar sind auch Rußspuren, die aus den Bombennächten im Zweiten Weltkrieg stammen dürften.

Dem Kuratorium zum Wiederaufbau steht Klaus Zimmermann vor. Verbunden ist der Bürgermeister und Finanzbeigeordnete dem Thema als Aufsichtsrat der Wobau, die mit der Sanierung des Katharinenturms den Stein zum Portal-Wiederaufbau ja erst ins Rollen gebracht hat. Er sagt: "Wir wünschen uns, dass der Wiederaufbau bis Herbst 2016 gelingt."

Wiederaufbau möglichst bis zum Herbst 2016

Grund: Dann jährt sich zum 50. Mal die Zerstörung des letzten Restes der Katharinenkirche. Wobau-Geschäftsführer Heinrich Sonsalla sitzt ebenfalls im Kuratorium und sagt: "Mit dem Wiederaufbau gelingt es vielleicht, eine alte Wunde, die noch nach der Zerstörung der Innenstadt 1945 ins Stadtbild geschlagen wurde, zu heilen."

Wie Klaus Zimmermann sagt, war die Katharinenkirche noch bis in die 1960er Jahre von der evangelischen Gemeinde genutzt worden. Damit gibt es - verglichen mit anderen zerstörten Magdeburger Kirchen - noch recht viele Menschen, die hier am kirchlichen Leben teilgenommen haben. Auch von diesen Menschen erhofft sich der Vorsitzende des Kuratoriums finanziellen und moralischen Zuspruch - selbst wenn einige der Zeugen des Lebens in der Katharinenkirche nicht mehr in Magdeburg leben.

Zwar hatte es zuletzt keine Bestandteile des alten Kirchenbaus gegeben, die für den Spendentopf verkauft werden konnten. Jetzt aber gibt es bezüglich der Aufarbeitung der Steine Hoffnung. Das Portal soll nämlich nicht weit ins Mauerwerk wie bei der Katharinenkirche hineinragen. Es soll gleichmäßig flach auf der Wand befestigt werden. Aus dem hinteren Bereich wird es damit neues Souvenir-Material aus den alten Steinen geben. Die Idee von Familie Schuster: Aus diesem ließen sich kleine Quader herstellen, die zugunsten des Spendentopfs zum Beispiel zum Katharinenfest (siehe Infokasten) in durchsichtiges Harz eingegossen und verkauft werden könnten.

Leitungen nach TGL und Gost wurden sortiert

Die Bauarbeiten, die in den vergangenen Wochen am Katharinenturm über die Bühne gegangen sind, haben übrigens noch nicht direkt mit dem Fundament für das Katharinenportal zu tun.

Vielmehr ging es darum, die Leitungen im Untergrund neu zu sortieren. Dies hatte sich als recht schwierig erwiesen, da die Arbeiter hier eine Mischung aus nicht mehr gebräuchlichen Standardgrößen der DDR und der Sowjetunion vorgefunden hatten. Zur Bauzeit der Blöcke rings herum galten die heute nicht mehr genutzten Industrienormen TGL bzw. Gost. Heinrich Sonsalla berichtet, dass es keine Produzenten für passende Anschlussteile mehr gibt. Die Fertigstellung verzögerte sich, da erst maßgefertigte Anschlüsse produziert werden mussten. Jetzt sind die Arbeiten abgeschlossen. Damit kann auch das von der Magdeburgischen Gesellschaft von 1990 bereits vor Jahren spendierte Modell der Katharinenkirche am Breiten Weg wieder aufgestellt werden.

 

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