Das Bild des brennenden Stadttheaters auf einem Plakat am City Carré sorgt weiter für reichlich Anrufe in der Redaktion. Zahlreiche Zeitzeugen teilen ihre Erinnerungen.

Altstadt l Rita Schulze erinert sich, dass es sich um eine Übung mit Feuerwehr, Polizei und Rettungskräften handelte. Selbst beteiligt war sie auch: "Ich war damals elf oder zwölf Jahre alt und Mitglied bei den Jungen Sanitätern." Sie war als "Opfer" eingeteilt und wurde mit mehreren anderen Jugendlichen im Keller untergebracht. Mit "unterschiedlichen Verletzungen" warteten sie dort auf ihre "Rettung". Feuerwehrmänner oder Sanitäter trugen die Kinder und Jugendlichen nach draußen, wo ihre "Verletzungen" versorgt wurden. Sehr aufregend sei das damals gewesen.

Über das Rätsel wundert sich Jutta Saluschke sehr. Für sie ist eindeutig, dass vom Hauptbahnhof eine Dampflok abfährt und diese Situation vom damaligen Fotografen als besonderes Foto aufgenommen wurde. Auch Monika Heutger war als Kind bei der Feuerwehrübung dabei, ihre Eltern hatten sie mitgenommen. Sie tippt auf 1955 oder 1956 als Entstehungsjahr des Bildes. "Es stand auch immer eine Person auf dem Balkon, die in ein Rettungstuch der Feuerwehr gesprungen ist. Auf dem Foto sieht man ja auch die Menschen, die wahrscheinlich der Übung zu gesehen haben", schreibt sie in einer Nachricht an die Redaktion.

Eine Postkarte mit dem Bild vom Plakat und der Aufschrift "Großübung der Feuerwehr im Juni 1956" hat Ingo Kauder in seinem Besitz. Für ihn ist es unverständlich, dass die Magdeburger Feuerwehr da keine sicheren Angaben machen kann.

Eindeutig in die Nachkriegszeit ordnet Wolfgang Heutling das Foto ein: "Die Häuserfronten links in der Hasselbachstraße, rechts in der Victoriastraße und vorn in der Otto-von-Guericke-Straße fehlen. Weiterhin ist der Theaterbunker bereits gesprengt und eingeebnet. Vor dem Krieg war der Platz komplett gepflastert."

Der Vater von Ruth Ragus war bei der Feuerwehr, auch sie vermutet eine Übung als Grund für das Publikum. Für Peter Wiedemann weckte das Bild Erinnungen an eine "gewaltige, spektakuläre Einsatzübung der Magdeburger Feuerwehren, mit allen damals zur Verfügung stehenden technischen Mitteln". 1956 oder 1957 vermutet er als Zeitraum. " In den Rundfenstern des ehemaligen Restaurants an der Vorderseite brannte rotes bengalisches Licht, im Anbau an der Südseite und auch im Kellergeschoss brannten Magnesiumfackeln. An der Vorderseite des Stadttheaters fuhren die Löschfahrzeuge auf, Drehleitern kamen zum Einsatz, an der Nord-West Ecke fanden Rettungsübungen vom Roten Kreuz statt, das erklärt auch die Zuschauer in der Straße Am Alten Theater. Vor dem Theater rettete die Feuerwehr Personen aus verunfallten Fahrzeugen", fasst er seine Erinnerungen an diese Übung zusammen.

Er vermutet allerdings, dass an dem "Originalfoto, von wem auch immer, `gefummelt` wurde". Ihm scheint es, als sei das gesamte Bild eine gelungene Montage. Ein Grund für diese Vermutung sei die Tatsache, dass es "zu dieser Zeit an der Otto-von-Guericke Straße keine erhöhte Position, um über die Köpfe zu fotografieren", gab.

Den schwarzen Rauch auf dem Bild ordnet Marlies Stiller gar nicht der Feuerwehrübung, sondern dem Bahnhof zu: "Da brennt nicht das Theater. Ich habe dort gewohnt und oft die schwarze Fahne gesehen, wenn ein Zug losfuhr. Damals fuhren die Lokomotiven noch mit Kohle, und wenn sie anfuhren, kam eine riesige schwarze Wolke aus dem Schornstein. Das sah dann aus, als ob es hinter dem Theater brannte." Die Fenster habe man dann immer schließen müssen, sonst hatte man einen schwarzen Film auf allen Möbeln."

Bernd-Jürgen Wöhler ist sich sicher: "Mit dem Rauch, das war eine Feuerwehrübung nach dem Krieg. Wann das war, kann ich nicht sagen."

Gerhard Fricke hat noch "das Lodern der Flammen aus den unteren großen runden Fenstern" genau vor Augen, genau wie die Löschzüge, die dann aus der Brandenburger Straße zur großen Löschübung kamen.

An den Qualm oben und die roten Rauchbomben unten, die das Feuer nachahmen sollten, erinnert sich Manfred Prahl noch heute. "Das war damals eine große Sache, es gab noch kein Fernsehen und Magdeburg war geradeso von den Trümmern befreit", erinnert er sich.

Und für Karl-Ernst Ferchland hatte der ernste Hintergrund der Brandschützübung der Feuerwehr noch ganz andere Folgen als nur den Anblick des brennenden Theaters: "Ich habe an diesem Tag meine Frau Eva-Maria kennengelernt. Seit 54 Jahren sind wir nun verheiratet." Und so kann er sich auch auf einen genauen Tag festlegen: "Das war der 22. Juni 1956, an unser Kennenlern-Jubiläum können wir uns gut erinnern."

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