Altstadt l "Fast 70 Prozent - das schockt mich", eröffnete Lutz Trümper gegen 20 Uhr seine erste Rede als zum dritten Mal in Folge gewähltes Stadtoberhaupt und setzte unter Gelächter nach: "Ab 80 Prozent hätte man sich ja schon gar nicht mehr ins Rathaus getraut." Etliche Hände hatte der alte und neue Oberbürgermeister da bereits geschüttelt und in etliche Mikrofone gesprochen. Bereits gegen 18.30 Uhr, eine halbe Stunde nach Schließung der Wahllokale, zeichnete sich Trümpers Durchmarsch zur dritten Amtsperiode an. In seiner Deutlichkeit überrascht das Wählervotum durchweg alle, die zur Präsentation der Ergebnisse ins Rathaus gekommen waren. Die Konkurrenz ist kalt gestellt. "Dieses Ergebnis ist zugleich eine Bürde und weckt hohe Erwartungen." Als sein oberstes Ziel gibt Trümper kurz nach seiner Wiederwahl die Stärkung der Wirtschaft und die Schaffung von Arbeitsplätzen aus und setzt sich die Halbierung der Arbeitslosigkeit in Magdeburg (aktuell knapp über 10 Prozent) bis 2020 zum Ziel.

"Es ist uns nicht gelungen, eine Wechselstimmung zu erzeugen", bilanziert CDU-Stadtchef Tobias Krull, während CDU-Kandidatin Edwina Koch-Kupfer mit ihrem Einstand als Kommunalwahlkämpferin in Magdeburg durchaus zufrieden ist: "Von 0 auf 10 Prozent finde ich ganz in Ordnung." Wigbert Schwenke hatte 2008 ein zweistelliges Ergebnis knapp verfehlt. Gestern kommentierte er den Wahlausgang trocken: "Sie sehen mich nicht wirklich überrascht."

Ein herbe Schlappe für die Linke ist das Abschneiden von Frank Theile. Zum ersten Mal seit der Wende rangiert ein Linker zur OB-Wahl nur auf Platz drei; zum ersten Mal verfehlt er die 10-Prozent-Marke. "Ich bin natürlich nicht begeistert. Das ist enttäuschend. Ich habe deutlich mehr erwartet", sagt Theile und sieht parteiintern noch einigen Bedarf an Auswertung.

"Wir haben unser eigentliches Ziel klar verfehlt", räumt auch Grünen-Kandidat Olaf Meister ein. Zwar ist er mit seinem knapp 4,6-Prozent-Ergebnis gar nicht unzufrieden, "aber wir wollten im Wahlkampf in erster Linie klar machen, dass wir einige Kritik anmelden an der Amtsführung von Herrn Trümper". Mit Blick auf dessen Ergebnis gerät Meister ins Staunen darüber, "dass so Sachen wie der Tunnel, die ja nun weiß Gott nicht optimal laufen, vom Wähler gar nicht honoriert wurden".

Obwohl zum ersten Mal nicht mit einem eigenen Kandidaten am Start, kamen auch die Liberalen ins Rathaus, um das Wahlergebnis aus erster Hand zu erfahren. FDP-Frontfrau Lydia Hüskens, 2008 noch selbst Kandidatin fürs Amt, führt das Ergebnis auch auf einen lauen Wahlkampf mit wenig Auseinandersetzung und Kontur zurück. Kein Kandidat aus den gegnerischen Lagern habe Trümper ernsthaft gefährden können. Sein Wahlsieg ist auch für die Konkurrenz keine Überraschung, allemal der Abstand, mit dem der Amtsinhaber alle Gegenkandidaten hinter sich ließ. In Stimmen wirkt er noch eindrucksvoller als in Prozent. Von gut 70000 Magdeburger Wählern gaben mehr als 48000 ihre Stimme für Lutz Trümper ab. Die nächstplatzierte CDU-Kandidatin Koch-Kupfer kann nur 7003 Stimmen verbuchen, der Linke Theile nur 6384.

Freie-Wähler-Mann Philipp Voß freut sich derweil über knapp 2,5 Prozent und versteht sie als Achtungszeichen für eine Kraft. Auch Tierschützer Josef Fassl ist "realistisch" und schon glücklich, die 1-Prozent-Marke übertroffen zu haben.

Spaßkandidat Jens Heinicke - mit viel Gefolgschaft und Bier im Rathaus dabei - bleibt sich treu und kommentiert seine 1,4 Prozent als "gnadenlose Enttäuschung": "Ich habe gedacht, ich gewinne haushoch."

   

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