Magdeburg l Nur knapp ist Lutz Trümper am Sonntag an der Mister-70-Prozent-Marke vorbeigeschrammt. Ein Blick in die Ergebnislisten aus den 182 Magdeburger Wahllokalen bestätigt das Gesamtergebnis: Trümper rangiert überall mit Abstand vorn. In den Stadtteilen östlich der Elbe fährt der Sozialdemokrat fast allerorts über 70 Prozent, in Randau sogar knapp 84 Prozent aller abgegebenen Stimmen ein. Einen Wahlbezirk, der Trümper mit unter 50 Prozent der Wählergunst zumindest in die Stichwahl geschickt hätte, muss der Analyst suchen wie die berühmte Nadel im Heuhafen. In einem kleinen Teil von Buckau (WB 4402) lag Trümpers Unterkante am Sonntag bei 48 Prozent, gefolgt vom Grünen Olaf Meister mit knapp 16 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag im genannten Bezirk bei 23,6 Prozent. Der Wert markiert allerdings längst nicht den Tiefpunkt im Stadtgebiet.

Stadtweit beteiligten sich genau 70022 Magdeburger an der Wahl, aufgerufen waren 197230. Fast zwei Drittel der Wahlberechtigten übten sich in Enthaltung. Die 48152 Stimmen für Trümper, die sich im Fast-70-Prozent-Ergebnis niederschlagen, schrumpfen im Verhältnis zum Gesamtaufkommen der zur Wahl eingeladenen Einwohnerschaft auf 24,4 Prozent. Die 7003 Stimmen für die Zweitplatzierte - CDU-Frau Edwina Koch-Kupfer - machen nur 3,55 Prozent der Gesamtwählerschaft aus; der Linke Frank Theile (6384 Stimmen) erhält entsprechend nur 3,2 Prozent Zustimmung unter allen wahlberechtigten Magdeburgern.

Zu noch deutlich katastrophaleren Ergebnissen führte diese Rechnung im Wahlbezirk 0606 in Neue Neustadt (Wahllokal Umfassungsstraße). Hier waren 887 Frauen und Männer zur Wahl eingeladen - nur 90 kamen. Bei einer Beteiligung in Höhe von 10,15 Prozent blieb die OB-Wahl hier reines Spartenprogramm. In allen neun Wahllokalen der Neuen Neustadt blieb die Wahlbeteiligung unter 30 Prozent. In sechs von sieben Neu-Olvenstedter Lokalen lag sie bei 15 bis 20 - keine Ausnahme im Stadtgebiet. Auch in Vierteln von Sudenburg, Kannenstieg, Fermersleben, Salbke, Westerhüsen oder am Neustädter See blieben 70 bis 80 Prozent der Wahlberechtigten der Abstimmung fern.

Dass die Wahlbeteiligung insgesamt mit 35,5 Prozent knapp über jener von 2008 (35,1) rangiert und damit an einem historischen Tiefststand vorbeischrammt, ist Stadtteilen wie Calenberge zu verdanken: 72,62 Prozent der Einwohner gingen dort wählen - einsame Spitze. 83,6 Prozent von ihnen kreuzten Trümper an. Dessen Dominanz erübrigt die Suche nach Hochburgen seiner Gegner in der Stadt - es gibt keine.

Lutz Trümper geht trotz der desaströsen Beteiligung gestärkt aus der Wahl hervor. Fast ein Viertel der Gesamtbevölkerung steht hinter dem alten und neuen Oberbürgermeister, von der wählenden Minderheit sind es mehr als zwei Drittel. Daneben gelingt keinem Lager eine Mobilisierung in nennenswertem Umfang

1994 gingen 62 Prozent der Magdeburger zur OB-Wahl. 2001 brach das Interesse ein. Seit 2008 überlässt eine schweigende Mehrheit einer politisch interessierten Ein-Drittel-Gesellschaft die Entscheidung, wer die Stadt regiert.

 

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