Traumwetter für ein kosmisches Großereignis. Zur Sonnenfinsternis über Magdeburg stimmte einfach alles. Hunderte Sonnenanbeter pilgerten am Vormittag zur Lukasklause, wo öffentliches Sofi-Gucken angesagt war. Begeisterung auch am Planetarium in der Schule Am Kannenstieg.

Magdeburg l Keine Sofi-Brille mehr ergattert vor dem gestrigen Himmelsspektakel? Das war nicht wirklich ein Problem. Zumindest für all jene, die zum Beobachtungspunkt am Schleinufer pilgerten. Und das waren im Laufe des Vormittags Hunderte Sofi-Begeisterte. Die Astronomische Gesellschaft Magdeburg (AGM) und das Otto-von-Guericke-Zentrum hatten zur Beobachtung dieses seltenen Naturschauspiels geladen und damit den Nerv vieler Magdeburger getroffen.

Die Stimmung konnte besser nicht sein - so wie das Wetter. Traumhafte Bedingungen für die Sonnenfinsternis. Wolkenloser Himmel erlaubte den ungetrübten Blick auf den Flirt der Gestirne, den es so das letzte Mal vor elf Jahren zu sehen gab. Um kurz nach halb zehn begann das Schauspiel. Da war der Platz am Guericke-Zentrum schon gut gefüllt. Eine große Menschentraube versammelte sich hinter dem Sonnenfenster, eine rund vier Quadratmeter große Anfertigung der AGM, durch das man das Himmelsspektakel ohne Brille beobachten konnte. Mitglieder der Astronomischen Gesellschaft hatten zudem mehrere Teleskope aufgebaut, die eine Sofi-Schau mit vielfacher Vergrößerung ermöglichte. Wer keine Lust hatte, sich in die Schlange einzureihen, die sich an den Teleskopen bildeten, der ging auch nicht leer aus. Viele Besucher reichten bereitwillig ihre Sofi-Brillen weiter. Andere benutzten ihr Smartphone, wieder andere setzten auf "Marke Eigenbau". So Michael Schäffer, der mit einem Freund die Kartonmethode praktizierte. Die Bastelanleitung hatten sie sich aus dem Internet gezogen: Stecknadelloch rein in den Karton, auf die Gegenseite innen ein weißes Blatt Papier geklebt. Karton anheben, Loch gegen die Sonne halten, in den Karton schauen und Sofi bestaunen. Das kam gut an, auch bei vielen Kindern, die die Kartonbauer plötzlich umringten. "Es ist ein toller Anblick", schwärmte Besucherin Sophie Kratz. Je mehr sich der Mond vor den Feuerball schob, je größer wurde das Staunen. Viele spürten, wie es kälter wurde. Andere waren beeindruckt von der besonderen Stimmung des Lichts, das sich in der höchsten Phase der Abdeckung (gegen 10.45 Uhr) bleigrau, fast mystisch gab. Manch einer meinte, dass die Schatten viel schärfer seien als sonst. Doch alle genossen auf ihre Weise das Schauspiel, das gegen zwölf schon wieder vorüber war. Jetzt bleibt Zeit sich zu freuen: auf die nächste größere Teilfinsternis am 6. Juni 2026.

   

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