Magdeburg (ad) l Wie spricht man Recht in einer Klage, die auf einen Sturz vor mehr als vier Jahren zurückgeht? Indem man den Gerichtstermin kurzerhand vom Landgericht an die Unglücksstelle im Schauspielhaus verlegt - mitten hinein in eine Probenpause von ungläubig guckenden Orchestermusikern. Dieses kleine Schauspiel hat sich gestern an der 10. Zivilkammer zugetragen.

Doch der Reihe nach: Am 20. Januar 2011 besuchte Marlene R. gemeinsam mit einer Freundin eine Ballettvorstellung im Schauspielhaus. Beim Weg zum Platz stürzte Marlene R. eine Treppenstufe hinunter, brach sich unter anderem das Handgelenk. Lange und schmerzvolle Behandlungen folgten.

Die Krankenkasse der 66-Jährigen, die AOK Sachsen-Anhalt, hatte Klage eingereicht, die nun vor der Zivilkammer des Landgerichts verhandelt wird. Die Kasse ist der Meinung, die Stadt habe ihre Verkehrssicherungspflichten verletzt. Die Kasse fordert einen Teil der Behandlungskosten zurück. Die Stadt blockt das ab.

Richter Christian Löffler lud zahlreiche Zeugen, um den Sturz zu rekonstruieren. Darunter Besucher, Hausinspektoren, Bühneninspektoren und Theatermeister. "Seit das Schauspielhaus an der Otto-von-Guericke-Straße ist, hat es dort keinen derartigen Sturz gegeben", beteuerte Bühneninspektor Andreas B. Auch seien die Stufen von jeher beleuchtet. Am Unglückstag sei das auch der Fall gewesen. Bei der täglichen Inspektion seien keine Fehler festgestellt worden. Unfallopfer Marlene R. gab an, dass das Licht "schummrig" gewesen sei, sie die Stufe nicht erkannt habe - und es keine Kennzeichnung gegeben habe.

Weil die Umstände des Sturzes dennoch im Dunkeln blieben, verlegte Richter Löffler die Verhandlung ins Schauspielhaus. Er sei zwar regelmäßiger Theatergänger, aber er wolle die Sturztreppe noch einmal in Augenschein nehmen. Im Schauspielhaus selbst probten wiederum Musiker. In der Pause konnte Löffler gemeinsam mit der Geschädigten und den Zeugen die Treppe in Augenschein nehmen. Sein Kommentar: "Ich glaube nicht, dass die Klage Erfolg haben wird. Die Stufe erkennt man gut." Ein Urteil soll erst am 23. April gesprochen werden.