Magdeburg l Wegen Orkantief "Niklas" war die Feuerwehr Magdeburg in den vergangenen beiden Tagen im Dauereinsatz. Bis Redaktionsschluss rückten die Kameraden zu mehr als 180 Einsätzen aus. Ein Feuerwehrmann verletzte sich bei einem Einsatz leicht.

Nach einer ersten Schätzung fielen in Magdeburg "Niklas" 150 Bäume zum Opfer, 90 wurden beschädigt. Mehrere parkende Autos wurden beschädigt, auf der Sülzebrücke (A 14) kippte am Mittwoch ein Lkw um und in der Stadt wurden mehrere Dächer abgedeckt und der Bahnverkehr kam wegen beschädigter Oberleitungen teilweise zum Erliegen.

"Orkantief `Niklas` gefährdet die Verkehrssicherheit in Magdeburger Parks und Gärten. Auch die Eröffnung der Bootssaison im Stadtpark muss verschoben werden", sagte Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra der Volksstimme. Die Verwaltung rate deshalb davon ab, die Magdeburger Parks aufzusuchen. Durch das Orkantief bestehe Lebensgefahr durch herunterfallende Äste, Kronenteile oder umstürzende Bäume. Aufgrund der ergiebigen Niederschläge seien auch die Böden der Parkanlagen - insbesondere im Herrenkrugpark und im Stadtpark Rotehorn - aufgeweicht, wodurch die Bäume an Standsicherheit verlieren.

Eröffnung der Bootssaison muss verschoben werden

Durch die bestehende Gefahr hatte der Eigenbetrieb Stadtgarten und Friedhöfe kurzfristig entschieden, das für Mittwoch geplante Auslaufen der Boote am Adolf-Mittag-See im Stadtpark Rotehorn abzusagen. Die Eröffnung der Bootssaison wurde bis auf weiteres verschoben. Einen neuen Termin gibt es bislang noch nicht. "Der Eigenbetrieb ist bemüht, die Verkehrssicherheit in den Parkanlagen und auf den kommunalen Friedhöfen so schnell wie möglich wieder herzustellen", so Kinszorra weiter.

Trotz Sturm war hingegen der Magdeburger Elbauenpark am Mittwoch in die neue Saison gestartet. "Niklas" habe keine größeren Schäden angerichtet, hieß es. Der Besucheransturm sei aber nicht allzu groß gewesen. Zum Auftakt gibt es dort derzeit die größte Tulpenschau des Landes zu sehen.

Auch bei den großen Vermietern wie der Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) und der Wohnungsgenossenschaft (MWG) hielten sich die Schäden in Grenzen. Beschädigte Balkonbrüstungen und entwurzelte Bäume gehörten zu den häufigsten Schadensmeldungen. Entwarnung gab es auch beim Zoo Magdeburg.

Die beiden großen Einkaus- tempel in der Innenenstadt - das City Carré und das Allee-Center - wurden ebenfalls nur leicht beschädigt. Am Allee-Center sicherten etwa Industrie-Kletterer Fassadenteile, die sich gelockert hatten. "Es ist aber nichts weiter passiert", hieß es von der Center-Leitung.

Mehr als 180 Mal muss die Feuerwehr ausrücken

Von den Feuerwehr-Einsätzen waren der Großteil allgemeine Sturm- und Gebäudeschäden und Einsätze zur Beseitigung von Baumhindernissen. "Besonders erwähnenswert sind die Einsätze zur Sicherung von abgedeckten Dächern an der Eisleber Straße und der Arndtstraße", sagte Reinhardt Sandmann von der Feuerwehr. An der Eisleber Straße hatte sich die gesamte Dachhaut eines Mehrfamilienhauses gelöst und war auf ein gegenüberliegendes Haus gestürzt. In einigen Fällen, wie im Breiten Weg und der Arndtstraße, waren zur Sicherung der Dächer Spezialkräfte erforderlich.

Am Heinrichsberger Privatweg wurde der Dachstuhl eines leerstehenden Hauses eingedrückt, am Milchweg wurde ein Strommast umgeknickt und am Boquet-Graseweg stürzte ein Baum auf ein Gewächshaus. "Es waren zeitweilig alle verfügbaren Feuerwehrkräfte der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren Magdeburg im Einsatz", so Sandmann weiter.

Ein ungewollt perfektes Timing hatte hingegen das Cinemaxx Magdeburg. Bereits vor vier Wochen mussten die fünf Großplakate an den Außenwänden wegen des Baugerüsts abgenommen werden. "Es war Zufall, dass die Plakate nicht an den Wänden hingen", sagte Nancy Fehse, Leiterin des Cinemaxx Kinos Magdeburg. "Wir hätten sie sonst abnehmen müssen." Beim letzten Sturm sei nämlich laut Fehse ein Großplakat zerstört worden. Jedoch riss der Sturm einen Scheinwerfer von der Außenwand ab, der von einem Notfallsteiger wieder befestigt werden musste.

Am gestrigen Mittwochnachmittag nahmen auch die Fähre in Westerhüsen und die Frühjahrsmesse wieder ihren Betrieb auf. Der Sturm hat laut Messe-Organisator Karl Welte glücklicherweise keine größeren Spuren hinterlassen. "Neben dem Messeplatz ist zwar ein Baum umgekippt", sagte Welte, "der ist aber nicht auf unser Gelände gefallen und hat demnach nichts zerstört."

Ansonsten wären einige Scheinwerfer leicht abgeknickt und zur Sicherheit hätten einige Kollegen vereinzelte Schrauben festgezogen. "Im Großen und Ganzen hat uns der Sturm aber verschont und unsere Besucher können ihre Ostertage munter auf der Messe verbringen."

 

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