Magdeburg (ad) I Im Magdeburger Norden erinnert seit Samstagmorgen der Magnus-Hirschfeld-Weg an den vor 80 Jahren gestorbenen Mitbegründer der Homosexuellenbewegung. Zur Einweihung des Straßenschildes sprach Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) ein Grußwort. Ganz in der Nähe an der Nachtweide hatte der Arzt und Sexualforscher Hirschfeld (1868-1935) in Magdeburg seine Praxis.

"Wege sind ein gutes Instrument, um an das Wirken vieler in Vergessenheit Geratener zu erinnern. Das ist ein gutes Zeichen, das Magdeburg hier setzt", sagte Maas. Homophobie sei in unserem Alltag noch immer ein Problem, so der Minister weiter. Zu dem kleinen Festakt waren mit Sachsen-Anhalts Justizministerin Angela Kolb, dem Magdeburger Bundestagsabgeordneten Burkhard Lischka (beide SPD), dem Landtagsabgeordneten Sören Herbst (Grüne) und dem CDU-Kreisvorsitzenden Tobias Krull auch zahlreiche andere Politiker erschienen.

Im Anschluss fand eine Gedenkveranstaltung mit Fachvorträgen, Konzerten und Schauspieldarbietungen im Gesellschaftshaus statt. Dort sprach auch Andreas Schumann (CDU), Vorsitzender des Magdeburger Stadtrates. Er sagte: "Ich freue mich außerordentlich, dass Magdeburg dieses Zeichen setzt." Der Magdeburger Stadtrat hatte auf eine Initiative des Lesben- und Schwulenverbands Sachsen-Anhalt beschlossen, den noch unbebauten Weg im Stadtteil Neue Neustadt nach Hirschfeld zu benennen. Demnächst sollen dort Einfamilienhäuser entstehen.

Magnus Hirschfeld sei ein früher Streiter gegen Diskriminierung gewesen. "Magdeburg kann stolz sein, dass er hier gelebt hat", sagte Justizminister Maas. Maas zollte in seiner Rede auch dem ehemaligen Spieler der deutschen Nationalmannschaft, Thomas Hitzlsperger, Respekt, der sich Anfang 2014 in einem Zeitungsinterview zu seiner Homosexualität bekannt hatte. "Ich würde mir wünschen, dass auch andere diesen Mut aufbringen", sagte Maas. Im Bezug auf die Bundespolitik sagte der Minister, dass er hoffe, dass die gleichgeschlechtliche Ehe irgendwann staatlich anerkannt werde. Bis dahin seien aber noch viele kleine Schritte nötig.

Kurz nach der Veranstaltung bekräftigte Maas über den Kurznachrichtendienst Twitter seine Position und übte Kritik am Koalitionspartner CDU/CSU. Dort sagte er: "Die Öffnung der Ehe für Paare gleichen Geschlechts ist und bleibt unsere Position." In der Koalition mit CDU/CSU sei die Gleichstellung allerdings leider nur schwer realisierbar. In beiden Parteien gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, ob für eine gleichgeschlechtliche Ehe eine Änderung des Grundgesetzes (GG) oder des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) notwendig ist. Für eine Änderung des BGB wären die Hürden wesentlich niedriger.

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