Magdeburg l Für die Trauergemeinde am vergangenen Freitag war es ein Schock, als die Beerdigung kurzfristig umverlegt werden musste. Grund war ein Giftalarm. Ein Friedhofsmitarbeiter hatte beim Ausheben des Grabes einen ungewöhnlichen Geruch wahrgenommen und die Feuerwehr alarmiert. Weil in der Nähe auch ein Pistolenhalfter, Weltkriegsschutt und Knochen gefunden wurden, alarmierten die Einsatzkräfte auch den Kampfmittelbeseitigungsdienst.

Eine Auswertung der Luft- und Bodenproben am Institut für Brand- und Katastrophenschutz in Heyrothsberge ergab, dass es sich bei dem Stoff wahrscheinlich um Formaldehyd handelt. Formaldehyd-Lösungen (kurz: Formalin) werden unter anderem zur Leichenkonservierung und zur Konservierung von anatomischen und biologischen Präparaten genutzt. In hoher Konzentration ist es lebensgefährlich. Das Grab wurde abgedeckt und am Montag vom Umweltamt untersucht. Bereits am Freitag tauchten Spekulationen auf, dass das Formalin wahrscheinlich aus alten Abfällen ausgetreten sein könnte.

Dieser Verdacht scheint sich nun möglicherweise zu erhärten. Zwar bestehe laut Stadtverwaltung keine akute Gefahr, jedoch werde man ein Gutachten in Auftrag geben. "Solange die Untersuchungen nicht abgeschlossen sind, werden auf diesem Teilbereich des Ostfriedhofs vorerst keine Bestattungen vorgenommen", sagte Stadtsprecherin Kerstin Kinszorra auf Nachfrage.

Bereits nach der ersten Meldung am Freitag hatten sich auch Anwohner bei der Volksstimme gemeldet und von einer Mülldeponie berichtet, die es auf dem heutigen Friedhofsgelände bis in die 60er Jahre hinein gegeben haben soll. So berichtete etwa Frank Sobirey von einem 120 Meter mal 50 Meter großen und fünf bis sechs Meter tiefem Loch, das Ende der 60er Jahre verfüllt worden sei. "Da haben viele ihren Hausmüll hineingeworfen. Auch Gewerbemüll ist dort gelandet", erinnert sich Sobirey, der als Kind dort herumstromerte, am Reportertelefon.

Auch bei der Stadt geht man diesen Hinweisen nach. "Über eine Abfall-Deponie im Bereich des Friedhofs liegen uns keine konkreten Daten vor", sagt Stadtsprecherin Kinszorra. Auch hier soll das Gutachten Gewissheit bringen. Sicher sei bislang nur, dass es Verfüllungen mit Bauschutt und Eisenresten gibt.

"Betroffen ist offenbar nur der äußerste südöstliche Bereich des Friedhofgeländes, da nur hier diese Verfüllungen angetroffen werden", so Kinszorra weiter. Farbliche oder geruchliche Auffälligkeiten mit entsprechendem Handlungsbedarf seien bislang bei der Anlage von Grabstätten auch im unmittelbaren Umfeld der betreffenden Grabstelle noch nicht aufgetreten. Das sei der erste Fall dieser Art gewesen. Bodenuntersuchungen habe es in der Vergangenheit allerdings noch nicht gegeben.

Der Bereich, um den es jetzt geht, wurde dem Friedhof etwa Ende der 60er Jahre angegliedert. Als Friedhof genutzt wird dieser Teil aber erst seit Ende der 90er Jahre. "Über die weitere Nutzung als Friedhof wird erst nach Auswertung der Bodenuntersuchung im Umfeld der auffälligen Grabstätte zu entscheiden sein", sagte Stadtsprecherin Kinszorra.