Magdeburg l Als Kind habe er auf dem heutigen Friedhofsgelände immer gespielt, erinnert sich Frank Sobirey. Der Magdeburger hat an der Friedrich-Ebert-Straße gewohnt - also direkt gegenüber dem Ostfriedhof. Wo heute ein Teil des Friedhofes liegt, stand bis Ende der 50er Jahre ein Zwischenwerk, ein befestigter Stützpunkt. Dieses Werk ist Teil einer größeren Festungsanlage gewesen, die sich hier befand. Das bestätigen auch alte Stadtpläne und Chroniken.

"Das Zwischenwerk wurde ab Ende der 50er Jahre mit Haus- und Gewerbemüll verfüllt", sagt Sobirey. "Als Kinder sind wir hier immer herumgestromert. Man hat hier jede Menge Sachen gefunden", so Sobirey weiter. An der etwa 100 Meter langen, 50 Meter breiten und sechs Meter tiefen Absenkung des Zwischenwerkes hätten regelmäßig Lkw gehalten und Müll abgeladen. Auch Anwohner hätten das damals getan. "Ende der 60er Jahre wurde das Zwischenwerk dann mit Erde abgedeckt", sagt Sobirey, der nicht mehr in Magdeburg lebt.

Wegen eines Giftalarms musste vergangenen Freitag auf dem Ostfriedhof kurzfristig eine Beerdigung verlegt werden. Eine Auswertung von Boden- und Luftproben durch ABC-Spezialisten der Feuerwehr ergab, dass es sich bei dem in einem frisch ausgehobenen Grab ausgetretenen Stoff um Formalin handelt. Nach einer ersten Begutachtung durch das Umweltamt am Montag steht nun fest: Auf diesem Teil des Friedhofes werden vorerst keine Beerdigungen mehr durchgeführt. Die Stadt lässt ein Gutachten anfertigen, um so Klarheit zu bekommen, wie belastet der Boden ist.

Betroffen ist nach einer ersten Einschätzung nur der südöstliche Bereich des Friedhofes. Dieser Bereich wurde laut Stadtverwaltung etwa Ende der 60er Jahre an den Ostfriedhof angegliedert. Tatsächlich als Friedhof genutzt wird dieser Teil aber erst seit Ende der 90er Jahre. Eine Bodenuntersuchung vor der Inbetriebnahme habe es allerdings nicht gegeben.

Auf dem Gelände des heutigen Ostfriedhofes befand sich auch ein Pionierübungsplatz (siehe Zeichnung), der wohl um 1970 geschliffen wurde. Auch dieser Bereich war, wie mehrere Leser am Telefon bestätigten, ein beliebter Spielplatz. "Wir haben dort alles Mögliche gefunden - auch Granaten", berichtet Sobirey.

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