Magdeburg I Nichts gegen Interpretationsspielraum. In Gedichten, in der Bibel, meinetwegen auch im Einkommensteuergesetz. Aber muss man Menschen denn ausgerechnet bei der Parkplatzsuche zu deuterischen Gedankenspielen nötigen? In Magdeburg schon. Vor einem Parkhaus in der Innenstadt stolperte eine Volksstimme-Redakteurin am Donnerstagabend über eine fürs Autofahrerauge ungewohnte Anzeige. Dieser zufolge gab es zu jenem Zeitpunkt in dem Gebäude nicht null, nicht zehn, nicht 200 - nein, es gab "HAI freie Plätze". Was will uns der Autor nur damit sagen? Möglich ist, dass es sich hier um eine Metapher für Platznot handelt - im Sinne von: "In dieses Parkhaus passt kein einziges Auto mehr, allerhöchstens noch ein Hai." Denkbar wäre auch, dass der Parkhauschef einen Gruß an die Magdeburger richten wollte - nur eben bei der Schreibweise irgendwie durcheinandergekommen ist.

Es kann aber auch sein, dass es sich um eine ausgefuchste Marketing-Aktion der Stadt handelt: Vielleicht streut die geschickt Hinweise auf ein geplantes Ozeaneum und wartet nun, dass ein Journalist sie bemerkt und es jene Andeutungen so zum Thema auf der Titelseite der Volksstimme schaffen. Falls dem tatsächlich so ist, dann herzlichen Glückwunsch!