Magdeburg l Keineswegs kahl und grau waren die Sandsteine des Magdeburger Doms in den vergangenen Jahrhunderten. Auch wenn der romanische Vorgängerbau des heutigen Gebäudes längst nicht mehr steht - zahlreiche Erkenntnisse zur Farbigkeit des Mittelalters zu Lebzeiten von Königin Editha gibt es schon. Diese sind dem Diplom-Ingenieur Carsten Sußmann wohlbekannt - ist er mit Sußmann + Sußmann ja seit Jahren in die Restaurierung und in die Sanierung des Kirchenbauwerks eingebunden. Der Titel seines Vortrags: "Licht und Farbe nahe dem Editha-Grab".

Rote Farbe spielt wichtige Rolle im Mittelalter

Das Problem: Insgesamt sind nur wenige Wandmalereien aus dem 10. Jahrhundert erhalten. Aber Rückschlüsse lassen sich auch aus anderen Bauwerken - zum Beispiel aus Häusern an der Straße der Romanik oder aus St. Georg auf der Reichenau-Insel ziehen. Sußmann: "Rot war eine dominierende und zentrale Farbe." Wichtig waren die Bilder für die Menschen des Mittelalters, um die biblischen Geschichten zu erzählen, um sie auch jenen zu vermitteln, die nicht lesen konnten.

Und was bringt die Zukunft in Sachen Farben und Licht für den Magdeburger Dom? Carsten Sußmann antwortet zurückhaltend: "Die Marienkapelle mit ihrem auffälligen Radleuchter und den farbigen Fenstern ist fertig. Jetzt steht beispielsweise der Lettner dank des Fördervereins als Aufgabe an." Dessen Instandsetzung werde aber voraussichtlich keine neuen Erkenntnisse zur Farbigkeit im Magdeburger Dom bringen. "Zumal: Wenn Restauratoren heute Farbschichten entdecken, dann werden diese am ehesten konserviert. Dass aber fehlende Farben an Figuren nachempfunden werden, ist heute eigentlich nicht mehr üblich."

Moderne Beleuchtung ist große Herausforderung

Was da noch bliebe, ist das Taufbecken. Dessen abgebrochene Ecke wurde vor vielen Jahren durch Sandstein ersetzt. Da aber der Ursprungsort des roten Porphyrs in Ägypten bekannt ist, kann dieser Ersatz durch das Originalmaterial ersetzt werden - was wiederum den farblichen Bruch in dem Taufbecken repariert. Mit Blick auf Königin Editha: Als sie in Magdeburg lebte, war das Taufbecken schon längst nicht mehr neu. Als Mitbringsel aus Rom hatte es zu diesem Zeitpunkt schon ein paar Jahrhunderte hinter sich.

Als Aufgabe für die Zukunft sei auch die Beleuchtung von Interesse. "Möglichst soll das so geschehen, dass die Lichtquelle unsichtbar bleibt - und das ist wirklich eine große Herausforderung", berichtet Carsten Sußmann. Solche Beleuchtungsideen ließen sich nicht hundertprozentig am Rechner planen. Mit Versuchen müssen vor Ort die passenden Lösungen gefunden werden.

Ein interessantes Beispiel für die Verknüpfung von traditionellen mit modernen Beleuchtungsideen ist der Jerusalemleuchter in der Marienkapelle des Doms: Ein eigener, leicht zu demontierender Ring ergänzt hier die klassische Form.