NeuOlvenstedt l Die Mieter im Rennebogen 17 bis 26 sind sauer: Seit einem Jahr ist ihr Trinkwasser mit Legionellen belastet, jetzt kommen auch noch Ratten dazu. "Die laufen hier sogar tagsüber herum", sagt Hendrik Kolditz. Kürzlich war ein Mitarbeiter des Gesundheits- und Veterinäramtes vor Ort und musste bestätigen: Ja, hier gibt es ein Rattenproblem. Von Amts wegen werde ein Vorgang eingeleitet. "Wir werden den Vermieter anschreiben und ihm mitteilen, dass er dazu verpflichtet ist, die Ratten zu bekämpfen", sagte Dr. Eike Hennig, Leiter des Gesundheitsamtes. In dem Schreiben werde dem Vermieter auch empfohlen, unbedingt einen zertifizierten Fachmann dafür zu beauftragen. "Es geht immerhin um den Einsatz von Rattengift", so Eike Henning.

Das Thema Legionellen allerdings sei deutlich komplizierter. Legionellen in hoher Konzentration können, werden sie über zerstäubtes Wasser eingeatmet, schwere Lungenerkrankungen verursachen. Vor einem Jahr waren im Trinkwasser der Rennebogen-Häuserblöcke Legionellen festgestellt worden. In einigen Wohnungen lag der Wert bei rund 40000 pro 100 Milliliter Trinkwasser, zulässig sind 100 sogenannte "keimbildende Einheiten" pro 100 Milliliter Trinkwasser. Daraufhin wurde ein Duschverbot ausgesprochen. "Und das gilt immer noch", beschwert sich Mieterin Anja Schrader. "Man hatte uns vor einem Jahr gesagt, dass das Problem gelöst wird. Als ersten Schritt bekamen wir Filter für die Duschköpfe. Und das war es fast auch schon." Drei Mal seien die Filter erneuert worden, mehr an Gegenmaßnahmen habe man nicht feststellen können, berichtet Mieterin Silke Haberland. Und Mieterin Doris Nickel ärgert sich darüber, dass Anfragen von der Hausverwaltung nicht beantwortet würden.

Eigentlich arbeite man mit dem Vermieter gut zusammen, so Eike Hennig. Im vergangenen Jahr seien dort hohe Legionellen-Konzentrationen festgestellt und darum das Duschverbot ausgesprochen worden. Der Vermieter habe zugesagt, Gegenmaßnahmen einzuleiten. Dazu gehörten die Duschfilter. Auch seien Ventile im Leitungssystem ausgewechselt worden, da sich die Legionellen in alten Ventilen festsetzen würden. Das habe dazu geführt, dass in einer der leer stehenden Wohnungen, die als "Problem-Wohnung" gelte, die Konzentration auf rund 7000 Legionellen pro 100 Milliliter gefallen sei. "Das ist uns aber immer noch zu viel, darum haben wir das Duschverbot aufrecht erhalten, da diese Wohnung mit am gesamten Leitungsnetz der Häuser hängt." Die Bekämpfung der Legionellen müsse folglich fortgesetzt werden.

Eine so genannte "termische Bekämpfung" (60 Grad heißes Wasser durch die Rohre leiten) sei in den betroffenen Häusern nicht möglich, da die Wasserleitungen zu alt seien. Darum solle eine chemische Bekämpfung versucht werden. "Der Vermieter hat uns mitgeteilt, dass er dafür eine Anlage installieren will", so Dr. Hennig. Ob das geschehen sei, sei aber nicht bekannt.

Die Mieter sollen demnächst ein Informationsschreiben bekommen. Das teilte die Berliner Niederlassung der "Grand City Property LTD", einem Unternehmen mit Hauptsitz in Laranaca auf Zypern, auf Volksstimme-Anfrage mit. Dem Unternehmen gehören die Wohnungen. Gegen die Ratten habe die Hausverwaltung in der Vergangenheit schon Maßnahmen ergriffen, diese sollen jetzt von einer Fachfirma fortgesetzt werden. In Sachen Legionellen sei die Hausverwaltung ebenfalls aktiv. Duschfilter seien verteilt und auch die Wasserleitungen seien mehrfach gespült worden. Dabei arbeite man mit einer Fachfirma und der Stadt eng zusammen, so Unternehmenssprecherin Katrin Petersen.

Die Mieter indes sind weiterhin besorgt über die Legionellen im Trinkwasser und wollen jetzt einen Rechtsbeistand in der Sache hinzuziehen.