Gestern öffnete die Kinderstadt "Elberado" auf dem Campus der Hochschule Magdeburg-Stendal ihre Pforten. Die Stadtführer Christoph und Leonie gewährten einen kurzen Einblick - aber nur ausnahmsweise, denn Erwachsene haben dort keinen Zutritt.

Magdeburg l Leonie und Christoph nehmen ihren Beruf sehr ernst. Als Stadtführer von "Elberado" zeigen sie Erwachsenen, deren Visum zuvor unter strenger Prüfung bewilligt worden ist, ihre kleine Stadt. Eine Ausnahme, wie sie betonen, denn in Elberado haben die Kinder das Sagen und Erwachsene, abgesehen von den Betreuern, sind dort gar nicht gern gesehen.

Auf dem kleinen Platz herrscht buntes Treiben. "Wer möchte eine Zeitung kaufen", ruft ein kleiner Junge und läuft papierwedelnd durch die Häuser. "Frische Blumen, frische Blumen", ruft ein Mädchen dagegen und hält eine Topfpflanze in die Höhe. "Jeder hat hier einen Beruf, mit dem er dann ,Elbos\' verdienen kann", erklärt Christoph und zeigt als Erstes die Apotheke. Dort werden Tees und Pillen angeboten. In der Erwachsenenwelt würde man die kleinen Pillen Traubenzucker nennen, aber in Elberado sind sie ein richtiges Wundermittel, versichert der kleine Apotheker. "Eine Stunde arbeitet man in seinem Beruf und dann wird man gefeuert", erklärt Leonie. "Dann darf man sich einen neuen Beruf suchen oder seine verdienten Elbos ausgeben." In der Schneiderei neben der Apotheke werden Stoffe bearbeitet. Konzentriert hantieren Mädchen und Jungen mit Nadel und Faden. "Wir machen hier Kostüme", sagt Leonie und Christoph ergänzt: "Für die Theateraufführung am letzten Tag." Vorbei geht es an der Schmuckwerkstatt, der Post und der Kirche. "Vom Kirchturm aus hat man einen tollen Ausblick auf Elberado", schwärmt Christoph. Dann ein kurzer Halt beim Tattoostudio. Hier arbeitet die achtjährige Tifanie an einem ganz besonderen Auftrag: Sozialminister Bischoff hat sich einen rosafarbenen Marienkäfer ausgesucht, den er gerne auf seinen Oberarm "tätowiert" haben möchte. Fachkundig macht sich das Mädchen mit Schwamm und dem ausgeschnittenen Tattoo ans Werk. "Wunderschön", freut sich der Sozialminister, nachdem das Papier abgezogen wurde und Tifanie ist so freundlich und verlangt ausnahmsweise keine Elbos als Bezahlung.

In Elberado herrscht Demokratie, erklären die Stadtführer, als sie auf das Rathaus zugehen. Und deshalb steht auch demnächst eine Bürgermeisterwahl an. Zwei Kandidaten gibt es bis jetzt, einer von ihnen ist der 13-jährige Erik, der bereits eine klare Vorstellung von seinem Amt hat. "Wenn ich Bürgermeister werde, senke ich die Steuern und lasse ein schönes Stadtwappen gestalten", verspricht er und zeigt sein Wahlplakat, das in der Mitte von Elberado hängt. Nach einem kleinen Abstecher in den Zoo, in die Gärtnerei und in den Schönheitssalon ist die Stadtführung schon vorbei. Da kennen Christoph und Leonie kein Pardon. Sie wollen jetzt auch mal etwas anderes machen, erklären sie, nämlich in der Bank arbeiten.

Kinderstadt "Elberado" täglich bis zum 8. August von 10 bis 17 Uhr auf dem Campus der Hochschule Magdeburg-Stendal. Der Eintritt kostet einen Euro