Magdeburg | Dass die Eisröwer bei Außentemperaturen von acht Grad Celsius, deren drei im Wasser und fehlendem Eis auf der Oberfläche ihrem Namen nicht gerecht werden konnten, tut der Stimmung unter der Gruppe keinen Abbruch. Im Gegenteil, wie Klaus-Dieter Ziese beweist. "Weil die Sonne so schön scheint, stellen wir den Sonnenschirm auf, klappen den Liegestuhl auf und erfreuen uns an Ostereiern am Weihnachtsbaum", so der 60-Jährige.

Die Mitglieder der 1985 gegründeten Gruppe vereint nicht nur die Vorliebe für das Eisbaden, sondern auch für Frohsinn, der bei den Treffen am FKK-Bereich des Neustädter Sees mit Zugang über die Straße "Am Schöppensteg" ausgelebt wird. "Man muss eben schon ein bisschen verrückt sein, um im Januar baden zu gehen", sagte Eisröwer Lutz Schirmer schmunzelnd, ehe der Schlachtruf, ein dreifaches "Eis-frei!" erfolgte, der von den Zuschauern am Ufer des Neustädter Sees erwidert wurde.

Die Wette, mindestens eine Minute mit den Füßen im See zu stehen, nahmen Sarah und Lutz Kriebel gemeinsam mit Detlef Mauer an. "Es fühlt sich wie Eis an, länger hätte ich es nicht ausgehalten", sagte Sarah Kriebel im Anschluss. Steffen Lehmann ging anschließend noch einen Schritt weiter und eröffnete die Badesaison 2014 mit den Eisröwern, die sich über die Wasserwacht organisieren. Das Angebot, keinen Eintritt bezahlen zu müssen wie sonst üblich, schien zu verlockend. "Man darf nicht darüber nachdenken, sondern muss gradlinig ins Wasser gehen, dann klappt es", so der Mann aus dem Publikum, der sich den Spaß nicht nehmen ließ und für seinen Einsatz mit einem kleinen Geschenk belohnt wurde.

Empfehlung: Keine untrainierten Selbstversuche

Untrainierten sei der Selbstversuch ohne vorherige Erfahrung nicht zu empfehlen, so Klaus-Dieter Ziese. "Wer sich probieren möchte, sollte ab September anfangen, ins Wasser zu gehen, um sich langsam an die Temperaturen im Herbst und Winter heranzutasten." Empfehlenswert seien auch Saunagänge. "Ich glaube, dass wir etwas immuner sind gegen Erkältungen", sagte der 60-Jährige, der seit 1996 ein Eisröwer ist.

"Mich reizt, dass man in gewisser Weise Grenzen überschreitet und aus dem Alltag ausbricht", so Silvia Hagel. Sie schätze zudem den Zusammenhalt in der Gruppe. "Gemeinsam kann man etwas verrückt sein", spielte Lutz Schirmer auf Aktionen wie Faschingsfeiern beim Eisbaden und Neujahreseröffnungen an, die stets in Kostümierung erfolgen. Den Jahrtausendwechsel etwa erlebte ein Teil der Gruppe beim Eisbaden. Am Gründungstag, 12. Januar, wird das 29-jährige Bestehen am See gefeiert. "Das passt in diesem Jahr, denn wir treffen uns immer sonntags", sagte Marlies Ziese.

 

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