Wernigerode l Das anhaltend warme Winterwetter treibt Hotels und Gaststätten im Harz langsam Sorgenfalten auf die Stirn. Die Wintertouristen bleiben weg.

Hans Steinhoff betreibt mit seinem Sohn Daniel das Brocken-Hotel und das Hotel "Brockenscheideck" in Schierke mit zusammen knapp 100 Betten. "Ab dem 1. Januar war schlagartig Schluss. Hier ist totale Ruhe", erzählt er. Das sehr gute Geschäft in den vier Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr habe den Familienbetrieb gerade so aus den roten Zahlen geführt. "Denn auch das stürmische, regnerische Wetter in den Wochen vor Weihnachten hat die Gäste abgeschreckt", so der Hotelier. Bis zum 21. Dezember mussten die Steinhoff-Hotels einen 50-prozentigen Umsatzeinbruch hinnehmen. "Hoffentlich fällt bald Schnee. Dann kommen auch die Gäste zurück", glaubt Hans Steinhoff.

Schnee benötigt die Wurmbergseilbahn in Braunlage seit diesem Winter nicht mehr zwingend. Nach jahrelangem Disput konnte die Bahn-Gesellschaft 2012 und 2013 ingesamt elf Millionen Euro in den Bau von 140 "Schnee-Erzeugungslanzen" und einem neuen Vier-Personen-Sessellift investieren. Neun Abfahrten gibt es jetzt. Aktuell ist nur eine künstlich beschneite Rodelpiste oberhalb der Zwischenstation offen. "Minus drei Grad Celsius sollten es schon sein. Wenn es wärmer ist, brauchen wir die Schneelanzen nicht in Betrieb zu nehmen", erzählt Bahn-Geschäftsführer Dirk Nüsse. Er mag es kaum glauben: Nun ist das größte alpine Skigebiet in Mittel- und Norddeutschland endlich schneesicher. "Und dann fehlt der Frost."

Nach Frost sieht es nicht aus


Die Finanzierung der neuen Anlagen sei so aufgebaut, dass wetterbedingte Ausfälle mit einberechnet sind. Doch schon im frostfreien Dezember konnte die Wurmbergseilbahn nur etwa 40 Prozent des geplanten Umsatzes erwirtschaften. Die neue Abfahrt "Sonnenhang" sollte am 14. Dezember eingeweiht werden. Bis heute ist dort niemand Ski gefahren. "Es wird Frost geben", ist sich Nüsse sicher. "Das habe ich noch nie erlebt, dass es im Winter keinen Frost gibt."

"Nach Frost sieht es derzeit nicht aus", sagt dagegen Claudia Graupner, Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Leipzig. Deutschland liege in einer stabilen Süd-West-Strömung, die mildes Wetter aus Südeuropa heranführt. Graupner: "Es deutet nichts darauf hin, dass sich daran in den nächsten zehn Tagen etwas ändert." Sie rechnet erst ab Mitte Januar mit der Möglichkeit eines Wintereinbruchs. "Ein stabiles Hoch über Nordeuropa könnte dem Harz Frost und Schnee bringen", sagt die Meteorologin.

So wie im März 2013. Da lag der Harz unter einer dichten Schneedecke - nach einem milden Dezember. "Und das hatte sehr positive Auswirkungen auf den Tourismus im Harz", erzählt Eva-Christin Ronkainen, Sprecherin vom Harzer Tourismusverband. So stieg die Zahl der Übernachtungen im Harz im März 2013 (437008) im Vergleich zum gleichen Vorjahresmonat (383564) um knapp 14Prozent. Darüber würde sich die Harzer Tourismusbranche auch 2014 freuen. Ronkainen: "Ansonsten ist der Harz natürlich auch bei mildem Wetter eine Reise wert. Zum Beispiel sind derzeit viele Mountainbike-Fahrer unterwegs."