Magdeburg (dpa) l Der Wolf breitet sich weiter aus in Mitteldeutschland. In Sachsen und Sachsen-Anhalt haben sich im vergangenen Jahr neue Rudel gebildet und in Thüringen wurde ein Tier gesichtet. "Für den Wolf war es sicherlich ein positives Jahr", resümiert Helene Möslinger vom Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz. Vor gut 13 Jahren tauchte der bis dato in Deutschland als ausgerottet geltende Räuber wieder in der Lausitz auf. Mittlerweile gibt es in der Region 15 Wolfsterritorien. Im vergangenen Jahr kamen dort in zwölf Rudeln mindestens 45 Welpen zur Welt.

"In Sachsen-Anhalt hat sich dieses Jahr im Raum Göritz, Colbitz-Letzlinger Heide und Annaburger Heide jeweils ein Rudel entwickelt." Auch in Sachsen gebe es ein neues Rudel und ein neues Wolfspaar. Ganz neu sei ein in Thüringen gesichteter Wolf.

Dass Wölfe nicht von allen gern gesehen sind, zeigt der Fund eines getöteten Welpen Mitte Dezember in der Lausitz. Unbekannte hatten das Tier mit Schrot geschossen und den Kadaver auf einer Wiese liegenlassen. Tierschützer setzten 10000 Euro Belohnung zur Ergreifung der Täter aus.

Weiter westlich, bei Meißen, erregte wenig später die angebliche Beteiligung von Wölfen an einem schlimmen Unfall die Gemüter. Eine Herde Pferde war in Panik von der Koppel ausgebrochen und auf eine Bundesstraße gelaufen. Alle neun Tiere verendeten, zwei Menschen wurden schwer verletzt. Mehrere Wölfe hätten die Tiere vermutlich aufgeschreckt, hieß es. Ortsansässige Jäger verlangten in einem Brandbrief ein staatliches Eingreifen. "Wir brauchen klare, funktionierende Regelungen zum Umgang mit dem Wolf und keine weiteren "Gummiparagraphen"", heißt es darin. Bislang ist kein Rudel in dem Gebiet bekannt.

Möslinger meint, dass sich die Menschen erst an die Rückkehrer gewöhnen müssten. Natürlich könne man in einer Wolfsregion auch Wölfen begegnen. "Das ist aber selten. Sie gehen den Menschen aus dem Weg."

Heinz Baacke vom Landesjagdverband Sachsen kann keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit durch den Wolf erkennen. Konflikte in urbanen Räumen seien aber vorprogrammiert. Darauf sollten sich Politik und Verwaltung einstellen. "Die Entwicklung nur beobachten, kann bedeuten: Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben." Es brauche Antworten, die "über Rotkäppchen-Syndrom und Herdenschutz hinausgehen". Kaum ein Tier löse so viel Emotionen aus wie der Wolf. "Der Konflikt besteht nicht zwischen Wölfen und Menschen, sondern zwischen den Menschen."