Magdeburg l Die deutsche Exportstärke ist beeindruckend. Nach aktuellen Berechnungen des Münchner Ifo-Institutes kommt die Bundesrepublik 2013 auf einen Exportüberschuss von umgerechnet 260 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Die weltgrößte Handelsnation China kam 2013 auf rund 195 Milliarden Dollar. Rang drei belegt Rohstoffexporteur Saudi-Arabien.

Und wo liegt das kleine Sachsen-Anhalt? Im innerdeutschen Vergleich ist der Exportanteil unseres Bundeslandes vergleichsweise gering. Nach Angaben des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) lag die Exportquote - also der Anteil des Auslands- am Gesamtumsatz - bei den Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes mit mehr als 50 Beschäftigten in der ersten Jahreshälfte 2013 bei nur 28,1 Prozent. Zum Vergleich: Die neuen Bundesländer mit Berlin kamen auf 35,7 Prozent, die Bundesrepublik insgesamt erreichte 47,5 Prozent.

Immerhin: Der Trend zeigt nach oben. Seit der Jahrtausendwende hat sich der Exportanteil der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt deutlich erhöht. Zu den exportstarken Branchen gehören die Ernährungsmittelwirtschaft, die Kunststoffindustrie und die pharmazeutische Industrie (siehe Infografik). Letztere vor allem mit zwei Produktionsbetrieben: Bayer in Bitterfeld und Salutas in Barleben.

Bei Bayer wurden 2012 neun Milliarden Tabletten produziert, die in etwa 50 Länder ausgeliefert wurden - 32 Prozent für den europäischen Markt und 61 Prozent für den Weltmarkt. Das Schmerzmittel Aspirin machte dabei mehr als die Hälfte der Produktion aus. Die gesamte Aspirin-Produktion für Europa kommt aus Bitterfeld. Aktuell arbeiten dort etwa 400 Mitarbeiter.

1400 Beschäftigte sind es bei der Salutas Pharma GmbH an der Autobahn2 bei Barleben. Im Firmenverbund der Sandoz-Gruppe produziert Salutas für den deutschen Markt (Hexal, 1A Pharma, Sandoz) und Schwestergesellschaften in über 70 Ländern. Jährlich werden in Barleben etwa 200 Millionen Packungen mit Medikamenten (etwa 10 Milliarden Tabletten) hergestellt.

Oder der Magdeburger Förderanlagenbauer FAM. Das Wachstum des Unternehmens ist zunehmend exportgetrieben - im Neugeschäft gar zu 100 Prozent. Grund: In den vergangenen Jahren gab es in Deutschland kein nennenswertes Neubauprojekt im Kraftwerks- oder Tagebaubereich mehr, wo FAM mit seinem Know-how hätte punkten können.

Stärkster Exportmarkt für FAM ist Chile. Dort sind in einer Tochtergesellschaft rund 500 Mitarbeiter beschäftigt. Sie sind auf dem südamerikanischen Kontinent für den Service und die Instandhaltung von Förderanlagen sowohl von FAM als auch von anderen Herstellern in verschiedenen Minen zuständig.

Riesige Ölsandanlage für Kanada

Das zu den weltweit größten Anbietern von Tagebau-, Lager- und Umschlagtechnik zählende Unternehmen mit insgesamt rund 1400 Mitarbeitern hat im vergangenen Jahr den größten Auftrag in der Unternehmensgeschichte an Land gezogen. Dabei geht es um die Lieferung und Montage der kompletten Aufbereitungs- und Transporttechnik für eine Ölsandanlage in der kanadischen Prärieprovinz Alberta in einem Wertumfang von 300 Millionen Euro.

Der Komplex nimmt ungefähr eine Fläche von 700 mal 400 Metern ein. Dafür verarbeitet FAM rund 12000 Tonnen Stahl. Auf einer Anlage sollen künftig pro Stunde 14000 Tonnen Ölsand transportiert werden. FAM baut zwei davon.

Die Produktion im Ausland, quasi auch der Export von Arbeit, ist für sachsen-anhaltische Unternehmen keine Unbekannte. Zu den Unternehmen, die Auslandstöchter haben, zählen neben FAM der Autozulieferer Eldisy aus Gardelegen mit einem Standort im slowakischen Dubnica nad Vahom oder IFA Rotorion aus Haldensleben mit einem Werk im US-amerikanischen Charleston.

Überhaupt IFA. Der Autozulieferer wird bald auch in China produzieren, baut dort eine eigene Fertigung auf. Mit dem Gang ins Reich der Mitte reagiert man auf die Anforderungen der global agierenden Automobilbauer von Volkswagen bis zu BMW, die von ihren Lieferanten eine ebenso breite geografische Aufstellung erwarten.

Viele Produkte tauchen in Statistik nicht auf

Ziel ist es, im Herbst im Großraum Shanghai mit der Produktion von Längswellen für die chinesischen Werke der Kunden von IFA zu beginnen. Für die Anmietung von Hallen und die technische Ausrüstung veranschlagt IFA Rotorion eine Investitionssumme von bis zu 20 Millionen Euro. In dem neuen Werk sollen zunächst 100 Mitarbeiter beschäftigt werden.

IFA Rotorion ist im In- wie im Auslandsgeschäft eine Macht. Das Unternehmen mit rund 1300 Mitarbeitern zählt mit jährlich rund 4,5 Millionen ausgelieferten Längswellen und einem globalen Marktanteil von etwa 30 Prozent zu den weltweit größten Herstellern der Spezialwellen, die die Motor-Getriebe-Einheit in einem Fahrzeug mit den Achsen verbanden.

Der Export hat für die Metall- und Elektroindustrie in Sachsen-Anhalt eine zunehmende Bedeutung, bilanziert der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgebeverbandes, Matthias Menger: "Angesichts der Investitionsschwäche in Deutschland wird die wirtschaftliche Entwicklung in erster Linie durch das Auslandsgeschäft getragen." Eine anhaltend hohe Nachfrage nach Produkten hiesiger Maschinen- oder Anlagenbauer kommt vor allem aus China und den USA. Aber auch der lange kriselnde Euro-Raum gewinne wieder mehr an Stärke.

Lag die Exportquote im Jahr 2012 in der hiesigen Metall- und Elektroindustrie bei 35 Prozent, könnte es Ende dieses Jahres 37 bis 38 Prozent werden, schätzt Menger. Dieser Wert sei aber eher die Untergrenze. Viele Produkte, die beispielsweise einheimische Autozulieferer fertigen, finden erst über den Finalproduzenten den Weg ins Ausland. Sie tauchen in keiner Exportstatistik auf - sondern werden ganz schlicht als Inlandsumsatz verbucht.

 

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