Lödderitz/Aken l "Gefahr war nicht im Vollzuge, da zwischen Aken und der \'Straße der Panzergrenadiere\' ... Spundwände den Deich zusätzlich stabilisieren." Diese Aussage von Flussbereichsleiter Christian Jung des Landesbetriebes für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) brachte die Bürgerinitiative Aken in Harnisch. Es geht um jenen Abschnitt am Deichwachthaus Obselau, wo im Juni 2013 der Deich überspült wurde. Außerdem kam es dort zu einer Abrutschung, wie sie in Breitenhagen zur Katastrophe führte. Dieser Abschnitt liegt noch im Salzlandkreis, ist in Verantwortung des LHW.

Marko Gregor, Sprecher der Bürgerinitiative, ist überzeugt: "Wenn nicht die Bundeswehr geholfen hätte, wäre es hier schlimm ausgegangen." Die Soldaten seien von der Technischen Einsatzleitung des Katastrophenschutzstabes Anhalt-Bitterfeld angeleitet worden. "Den Soldaten ist es zu verdanken, dass der gefährdete Deichabschnitt im Lödderitzer Forst notdürftig stabilisiert und somit ein Bruch verhindert werden konnte."

Auch Akens Bürgermeister Hansjochen Müller stößt das Thema noch heute auf: "Wie 2002 der Landkreis Schönebeck hat sich auch 2013 der Salzlandkreis nicht um diesen Deichabschnitt gekümmert." 2002 hätte es drei Stellen gegeben, die dort verbaut werden mussten, da ansonsten ein Deichbruch drohte. "Hier meinte Herr Jung auch vorher, dass der Deich sicher ist, und dadurch hat der ehemalige Landkreis Schönebeck wohl auch nichts unternommen", erinnert sich Akens Bürgermeister in einem Schreiben an die Volksstimme.

Die Akener hätten die Verteidigung des Deiches schließlich selbst in die Hand genommen. "Vor der aufgetretenen Rutschung kam es bereits zur Unterspülung des Deiches", sagt Müller. Am 4. Juni 2013 hatte er in Calbe eine Zusammenarbeit der Landkreise Anhalt-Bitterfeld und Salzland bei der Verteidigung des Elbdeiches gefordert. "Sie kam leider nicht zustande. Man hat nichts aus dem Hochwasser 2002 gelernt. Ein Deich schützt eine Region. Deren politische Teilung in zwei Landkreise darf nicht dazu führen, dass sich ein Landkreis aus der Verantwortung stiehlt beziehungsweise keine gemeinsame Verteidigung möglich ist", fasst Hansjochen Müller zusammen.

"Kosmetische Arbeiten"

Die Bürgerinitiative macht auf ein weiteres Problem aufmerksam: Die Gefahrstellen wurden nur mit etwas Erde und einer Rasensaat bedeckt. Die ausführende Firma hätte dabei tiefe Spuren im Deich hinterlassen. "Im Frühjahr wird dann sicherlich über das Problem Gras gewachsen sein. Ein verlässlicher Hochwasserschutz ist dieses fragliche Gebilde mitnichten", grollt Marko Gregor, der von "kosmetischen Arbeiten" spricht. Die Bürgerinitiative fordert, dass sich die zuständigen Behörden des Landes Sachsen-Anhalt unverzüglich um eine nachhaltige Deichsicherung an dieser Stelle kümmern.

LHW-Flussbereichsleiter Christian Jung verteidigt die Vorgehensweise im Juni. Er bekräftigt, dass im Falle einer Deichabrutschung die Spundwände einen drohenden Bruch verhindert hätten. 2017 sei der alte Deich ohnehin überflüssig, da dann der Neubau der Deichrückverlegung fertig ist.

Pokert man da nicht zu hoch?


"Ja klar, das ist eine lange Zeit", gesteht Jung. Der Flussbereichsleiter argumentiert allerdings so: 2013 habe es sich um ein Extremereignis gehandelt, bei dem der Deich gehalten habe. "Man muss davon ausgehen, dass er bei einem erneuten Extremhochwasser genau so halten würde. Da, wo die Spundwand drin ist, habe ich Null-Bedenken", sagt Jung.

Auch dem Vorwurf der Akener, dass der Salzlandkreis sich nicht gekümmert hätte, widerspricht Christian Jung. Die Bundeswehr sei in Breitenhagen "mit großer Mannstärke" eingetroffen. Am 8. Juni seien die Soldaten vom LHW angewiesen worden, Rückenstützen zu setzen. "Selbst wenn da ein paar Meter runtergerutscht wären", wiederholt Christian Jung, "wäre der Deich durch die Spundwände stehen geblieben."

Fazit: Eine Deichsanierung sei nicht geplant.

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