Fasching in Sachsen-Anhalt

Mit dem Fasching wird die Phase vor der Fastenzeit gefeiert. Das Wort leitet sich vom Fastenschank ab – dem letzten Ausschank alkoholischer Getränke vor der Fastenzeit.

Im Februar starten die Festsitzungen der Vereine. Später wird mit der Weiberfastnacht der Straßenfasching eingeleitet, der seinen Höhepunkt am Rosenmontag hat. 2014 wird Weiberfastnacht am 27. Februar und Rosenmontag am 3. März gefeiert.

Im Karnevalsverband Sachsen-Anhalt gibt es 188 Faschingsvereine mit 1600 Mitgliedern. Der größte hat mehr als 300 und sitzt in Köthen. Die meisten haben zwischen 80 und 140 Mitglieder. Die größten Karnevalsvereine befinden sich im Süden des Landes. Viele der Faschingsvereine wurden in den 1950er/60er Jahren gegründet.

Folgende Umzüge stehen im Landesnorden rund um den Rosenmontag an:


  • 15. Februar: Gutenswegen

  • 23. Februar: Stiege

  • 1. März: Derenburg, Kakerbeck, Osterburg, Hessen

  • 2. März: Ranies, Klötze, Seehausen (Altmark), Gröningen, Neuwegersleben, Wulferstedt, Wanzleben, Harbke

  • 3. März: Reuden, Dähre

  • 9. März: Immekath

  • Einige Vereine haben bereits am 11.11. einen Umzug veranstaltet.

Magdeburg/Barby/Ranies l Ein ganz schöner Miesepeter, diese Kuh. Verzieht keine Miene. Dabei schwingen die Dancing Maries vor ihrer Nase so schön Bändchen und rosa Reifen. Aber man kann ihr keinen Vorwurf machen. Sie ist ja nur Holzdeko, zwischengelagert im Proberaum. Am Sonnabend werden die schmucken Tänzerinnen wohl angemessen bejubelt, und zwar gleich von 300 Narren. Dann treten sie bei der ersten Festsitzung der Barbyer Heimatfreunde in dieser Saison auf.

Insgesamt drei Tanzgruppen mit 50 Mädels hat der Salzländer Verein. "Bei ihnen müssen wir uns um Nachwuchs keine Sorgen machen", erklärt Obernarr Frank Sieweck. Doch in anderen Sparten hätten die Heimatfreunde zu kämpfen. "Dass unsere Mitgliederzahl konstant bei 120 liegt, ist kein Selbstläufer. Besonders für den Chor müssen wir ständig junge Leute ansprechen." Lücken entstehen, wenn die Jugend zur Ausbildung oder zum Studium weggeht. Als Nachschub werden meist die Sprösslinge von Mitgliedern rekrutiert.

"Auch um Besucher müssen wir jedes Jahr aufs Neue kämpfen", sagt Sieweck. "Zum Glück ist aber noch keine Veranstaltung wegen schlechter Verkaufszahlen ausgefallen." Und das, obwohl es in der 4000-Einwohner-Stadt sogar einen zweiten Karnevalsverein gibt. Er hat noch einmal 90 Mitglieder.

Faschingsfans kämpfen mit demografischem Wandel

Ähnlich wie in Barby sieht die Entwicklung auch bei den anderen Faschingsvereinen in Sachsen-Anhalt aus. "Die Mitgliederzahl ist Gott sei Dank relativ stabil", sagt Dirk Vater, Chef des Karneval-Landesverbandes. Sie liegt bei 1600. "Mit dem demografischen Wandel haben die Vereine trotzdem zu kämpfen. Das macht sich etwa beim Kartenverkauf bemerkbar." Der sei in den vergangenen zehn Jahren um rund zehn Prozent zurückgegangen. Die ländlichen Regionen beträfe das aber kaum. "Vielleicht liegt es daran, dass das kulturelle Angebot dort kleiner ist als in Städten", vermutet Vater.

Damit den Barbyer Heimatfreunden ihre Mitglieder und Besucher nicht weglaufen, setzen sie auf ein Programm mit ständigen Neuerungen, das Lust aufs Zugucken und Mitmachen weckt. So hat das Team vor fünf Jahren einen Weiberfasching eingeführt. Und um die Jugend zu beglücken, legt seit einiger Zeit bei der ersten Festsitzung ein DJ auf.

Ass im Ärmel ist aber etwas anderes: lokale Eulenspiegeleien. "Meine Büttenrede ist nicht voll von austauschbaren Possen wie im Fernsehen", verkündet Sieweck mit stolzgeschwellter Brust. Diesmal hat er zum Beispiel über die Endlos-Werkelei an einer Sporthalle gedichtet: "Die Bauarbeiten ziehen sich hin wie auf dem Airport in Berlin!" Tätääää!

NSA bekommt ihr Fett weg

Mit regionalem Bezug im Programm gehen auch viele andere Vereine in Sachsen-Anhalt auf Narrenfang, berichtet Dirk Vater. "Sie greifen aber genauso Themen aus aller Welt auf. In diesem Jahr spielt die NSA eine große Rolle."

"Auflagen bei Straßenumzügen werden immer strenger kontrolliert." - Dirk Vater, Karneval-Landesverband

Die Barbyer Heimatfreunde beschränken sich beim Feten auf Festsitzungen. "Straßenfasching war für uns nie ein Thema", sagt Sieweck. "Beides vernünftig zu machen, wäre zu aufwändig." Der Kultur- und Sportverein Ranies hingegen, ebenfalls im Salzlandkreis, arbeitet jedes Jahr auf einen großen Straßenumzug hin. Am 2. März ist es wieder so weit, 3000 Besucher werden erwartet.

In das Spektakel ist fast der halbe Ort eingebunden. "Von 400 Einwohnern sind 180 Vereinsmitglieder, der Großteil davon in der Abteilung Fasching", erzählt Vereinssprecherin Sabine Höpfner. "Wir müssen zwar auch um Nachwuchs kämpfen. Aber es hilft, dass oft die ganze Familie mitmacht."

Faschingsumzüge werden in Sachsen-Anhalt seltener

Dieses Jahr haben sich 30 Gruppen zusammengefunden - von der früheren Schulclique bis hin zur Familienbande. In Eigenregie bauen sie alte LPG-Hänger oder Traktoren um. Die Themen bleiben bis zuletzt streng geheim. In den vergangenen Jahren nahm mal ein Team das Dschungelcamp aufs Korn, ein anderes die Schmacht-Schmonzette "Zweiohrküken", sogar der Nachbarort wurde schon kreativ verhohnepipelt.

Faschings-Umzüge stemmen viele Vereine in Sachsen-Anhalt nur noch zu Jubiläen, berichtet Vater. "Sie scheuen die logistischen Anforderungen." Die Auflagen von Polizei, Ordnungsamt, Gema und Versicherungen würden immer schärfer kontrolliert. In den vergangenen Jahren wurde etwa verstärkt darauf geachtet, ob die Wagen TÜV hätten und von genügend Begleitern bewacht würden.

Die Ranieser haben damit kein Problem: "Bei uns halten sich die Kontrollen der Behörden in Grenzen. Sie wissen wohl, dass wir von uns aus für Sicherheit sorgen."

Narren seit vier Monaten in der heißen Phase

Doch auch, wenn einem kein Amt Steine in den Weg legt, ist so eine Faschings-Saison eine Mammut-Aufgabe - egal, ob es um Straßenumzüge oder Festsitzungen geht. In Ranies starten die Vorbereitungen immer schon im September. In Barby geht es sogar im August los. "Dann wird gegrillt, und wir schreiben unsere Ideen auf Papiertischdecken", erzählt Frank Sieweck. Auf einer Ecke stand diesmal "Oktoberfest" - das Thema in diesem Jahr. Später wurde der Decken-Schabernack in ein ordentliches Programm gepackt. Darin steht zum Beispiel der Auftritt von vielen kleinen Heinos. Und - ja, mei - a zünft`ge Oktoberfestkapelle is oach dabei.

Die heiße Phase läuft jetzt seit vier Monaten: Kleider nähen, Kühe anpinseln - und vor allem üben, üben, üben. "Der Proberaum ist jeden Tag besetzt", erzählt der Narren-Chef. "Viele kommen gleich mehrmals die Woche." Ganz schön stressig. "Egal! Wenn wir morgen Abend in der Garderobe sitzen und hören, wie vorn die Leute für unsere Mädels johlen, ist das ganz fix vergessen."

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