Magdeburg l Die Diskussion um einen Mautbrief für 300 Laubenpieper in Fermersleben spitzt sich zu. Der Vorsitzende der Magdeburger Gartenpartei, Roland Zander, forderte die Chefin der Verbandes der Gartenfreunde, Ute Simon, zum Rücktritt auf. Der Verband ist die Dachorganisation der mehr als 14 000 Magdeburger Kleingärtner. Simon weist diese Forderung scharf zurück.

Was war passiert? Ein Mann aus Frankfurt/Main hat bei einer Versteigerung einen Teil des Zufahrtsweges zu drei Gartensparten in Fermersleben gekauft. In einem Schreiben fordert er nun die 300 Laubenpieper auf, eine Jahresgebühr von 90 Euro für die Wegnutzung zu zahlen. In einem zweiten Brief kündigt der Neubesitzer an, künftig Stichproben durchzuführen. Wer den Weg nutze, ohne die Jahresgebühr zu entrichten, müsse 35 Euro Strafe zahlen, heißt es in dem Schreiben weiter.

Ein Teil des Weges war lange im Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. 2012 wollte die Bundesanstalt das Flurstück abstoßen, bot es dem Kleingärtner-Verband zur Pacht und zum Kauf an. Als diese ablehnten, wurde die Fläche bundesweit angeboten. Ein Mann aus Frankfurt schlug zu.

Daraufhin war Kritik am Verband laut geworden. Warum man das Flurstück nicht gepachtet oder gekauft habe, war eine von vielen Fragen. Zumal das Stück von der Bundesanstalt für einen Schleuderpreis angeboten worden sei. Ein Schreiben des Verbandes vom August 2012 (liegt der Volksstimme vor) gibt nun neuen Nährstoff für diese Annahme. Demnach hätte der Gesamtpachtvertrag für das Wegstück bei 430 Euro gelegen.

"Da ist der Rechtsstreit mit dem Neueigentümer teurer. Die Vorsitzende Ute Simon sollte den Hut nehmen", fordert Zander gegenüber der Volksstimme.

Die Verbandschefin wiederum weist darauf hin, dass Ende dieser Woche mit einer Entscheidung im Rechtsstreit mit dem Neueigentümer zu rechnen sei. Außerdem kündigte sie an, dass ein Teil des Weges, nämlich jener, der sich im Besitz der Bundesbahn befinde, zeitnah saniert würde. Erste Gespräche mit Bauunternehmen gebe es bereits kommende Woche. Die Rücktrittsforderung wies sie zurück. "Es hat bereits ein Gespräch mit Herrn Zander gegeben", sagte Simon. Zum Inhalt wollte sie sich nicht äußern, auch nicht, ob der Weg dem Verband für eine Gesamtpacht von etwas mehr als 400 Euro angeboten worden sei. "Wir als Verband hätten sowieso keinen Pachtvertrag abschließen können", sagte sie. Als Dachorganisation aller Laubenpieper dürfe sie einzelne Sparten nicht bevorteilen. Heißt: Wenn, dann hätten die drei Vereine an der Friedrich-List-Straße so einen Vertrag abschließen müssen. Bei 300 Laubenpiepern wäre das etwas mehr als ein Euro pro Schollenbesitzer gewesen.