Essen/Königsborn (dpa/os) l Nach empfindlichen Kartellbußen in dreistelliger Millionenhöhe gibt Thyssen-Krupp sein Handelsgeschäft mit Schienen und Weichen auf. Betroffen vom Personalabbau sind 260 Mitarbeiter an Standorten in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt, wie der Konzern am Dienstag mitteilte. Versuche, die Sparte zu verkaufen, würden nicht weitergeführt. Bisher habe kein Angebot die wirtschaftlichen Anforderungen von Thyssen-Krupp erfüllt.

Auf Nachfrage erklärte der Konzernsprecher in Essen, Stefan Ettwig, dass in Sachsen-Anhalt das Langschienen-Werk in Königsborn (Jerichower Land) östlich von Magdeburg betroffen ist. "Dort arbeiten 30 Mitarbeiter. Ob dieses Werk geschlossen oder teilveräußert wird, entscheidet sich erst in den nächsten Wochen." Bisherige Veräußerungsversuche seien allerdings gescheitert. Ettwig: "Wenn es zur Schließung kommt, werden Gespräche über sozialverträgliche Maßnahmen geführt. Derzeit steht das aber noch nicht fest."

Wegen unerlaubter Absprachen mit anderen Unternehmen in diesem Geschäftsbereich erhielt Thyssen-Krupp in den Jahren 2012 und 2013 zwei Bußgeldbescheide des Kartellamts in einer Gesamthöhe von rund 191 Millionen Euro. Bereits im Mai 2013 hatte Thyssen-Krupp entschieden, die Bau- und Gleistechnik-Aktivitäten zu verkaufen.