Schönebeck (fm) l Wenn es Nacht ist in Schönebeck - dann gehen ganz erstaunliche Dinge vor. Nein, Alkoholfahrten, diverse Einbrüche von polizeibekannten Ganoven oder der Vandalismus von zutiefst gelangweilten Halbstarken sind hier nicht gemeint. Wenn es Nacht ist in Schönebeck, pflanzt eine junge Frau Krokusse auf öffentlichen Flächen.

Tausende von Krokuszwiebeln hat sie klammheimlich schon in die Erde ihrer Heimatstadt gesteckt. In Berlin, auch in Magdeburg und anderen Großstädten ist dieses heimliche Gärtnertum längst gang und gäbe, gemeinhin Guerilla Gardening genannt.

Laut Internet-Nachschlagewerk Wikipedia gibt es im kanadischen Calgary sogar Guerillagärtner, die Gemüse pflanzen. So weit geht Antje Knopf allerdings nicht. Sie will Schönebeck nur aktiv verschönern und kam vor knapp drei Jahren auf die Idee, monoton grünen Flächen noch andere Farben zuzumuten. Das Gelb von Winterlingen etwa oder das Blau von Krokussen.

"Ich will zeigen, dass sich mit wenig Aufwand etwas erreichen lässt", sagt die 36-Jährige gegenüber der Volksstimme. Inzwischen hat sie verschiedenes Pfanzgut ausprobiert und herausgefunden, was wo am besten wächst, was eher nicht. Entscheidend ist es auch zu erfahren, wo Blumen gleich zu Frühlingsbeginn totgemäht werden und wo sie eine Chance haben, wachsen und eine Zeitlang stehen zu dürfen.

Dunkelziffer der halblegalen Blumenpflanzer scheint hoch

Vielleicht haben sich Volksstimme-Leser bereits gewundert, wo denn plötzlich die blauen Krokusse und gelben Winterlinge herkommen, die da auf bislang eher stiefmütterlich behandelten Grünflächen sprießen. Der Wind jedenfalls war es nicht, der den Samen verstreut hätte. Da wäre zum Beispiel der Karl-Jänecke-Platz in Felgeleben. Hier blaut es derzeit ordentlich. Auf Flächen im Burghofgelände sind die Krokusse bereits am Verblühen.

Einige dieser Frühblüher stehen auch in der Wilhelm-Hellge-Straße. Wer am schmucklosen Ruth-Lübschütz-Platz herumkreiselt, wird auch hier einige dieser Pflänzchen entdecken können. Antje Knopf: "In der Stadt findet man unter anderem auch Winterlinge und Schneeglöckchen an Stellen, wo man sie nicht vermuten würde. Die Dunkelziffer der halblegalen Blumenpflanzer scheint relativ hoch zu sein."

Bei der Stadtverwaltung ist sie bereits vorstellig geworden und hat sich um die Freigabe bestimmter Flächen bemüht. Die Reaktion der Mitarbeiterin im Grünflächenamt war positiv und offen, sagt sie. Denn schließlich habe auch die Stadt begonnen, einige Flächen mit Blumenzwiebeln zu bepflanzen.

"Ich hoffe, dass mein Anliegen auf Gegenliebe stößt. Vielleicht wollen andere mitmachen", sagt sie. Wer sich am Projekt beteiligen möchte, kann unter der Web-Adresse stadtbegrüner.de weitere Informationen einholen.