Magdeburg l Mit Fahndungsplakaten und öffentlichen Aufrufen suchte die Polizei fünf Wochen lang fieberhaft nach dem Panzerschloss-Schläger. Ein Verdächtiger ist nun ermittelt. Er soll dem 46-jährigen Polizeibeamten Richard Kreuter bei einer Fahrradkontrolle zwei Knochen durchbrochen haben.

Während der 46-jährige Polizeihauptmeister Richard Kreuter mit seinen operierten Beinen an Krücken zu Hause wieder richtig Laufen lernt, haben seine Kollegen einen Fahndungserfolg zu vermelden.

"Wir konnten einen 34-jährigen Magdeburger als Beschuldigten ermitteln. Er ist bereits wegen Gewaltaten in Erscheinung getreten", verkündete der Leiter der fünfköpfigen Ermittlungsgruppe der Polizei Kriminalrat Michael Ellrich am Freitag.

Der Beschuldigte soll am 9. Februar in der Geißlerstraße bei einer lapidaren Fahrradkontrolle dem Beamten zunächst einen Faustschlag versetzt und anschließend mit einem kräftigen Hieb durch ein Panzerkettenschloss das Schien- und Wadenbein durchgebrochen haben. Die Frakturen ließen den Polizisten und Vater von vier Kindern noch auf der Stelle zusammenbrechen. Erst nach mehreren Sprühstößen seines Kollegen konnte der Angreifer in die Flucht geschlagen werden.

Seither suchten die Beamten mit Fahndungsplakaten in der Innenstadt und öffentlichen Aufrufen nach Zeugen. Der Polizeipräsident setzte eine Belohnung in Höhe von 2000 Euro aus. Der Magdeburger Unternehmer Reiner Riegg erhöhte um weitere 1000 Euro.

Chefermittler Ellrich spricht von 49 eingegangen Hinweisen zum Phantombild und dem gesuchten Fahrrad. "Dass uns so viele Menschen bei der Fahndung nach dem Täter unterstützen wollten, hat uns sehr gefreut und es zeigt uns auch die Unterstützung der Bevölkerung", kommentierte der Leiter der Abteilung Polizei in der Polizeidirektion Nord Tom-Oliver Langhans. Der entscheidende Tipp auf die Spur des 34-jährigen Arbeitslosen kam am Ende aber von einem 23-jährigen Magdeburger. "Wir haben dann weiter ermittelt, so dass die Ergebnisse schließlich für einen richterlichen Beschluss auf eine Hausdurchsuchung ausreichten", sagte Ellrich.

Bei dem Mann und seiner Freundin, mit der er am Tattag unterwegs war, haben die Beamten nach Beweisen gesucht und Bekleidung sowie das gesuchte Fahrrad sicherstellen können. Nur das Panzerketten-Schloss als eigentliches Tatwerkzeug, fanden die Beamten nicht.

Die Ermittler nahmen den Mann vorläufig fest, ließen ihn nach der Vernehmung aber wieder laufen. "Es gab keinen Haftgrund, den wir hätten anwenden können", so der Kriminalrat. Nach weiteren noch ausstehenden Zeugenvernehmungen soll das Verfahren in Kürze an die Staatsanwaltschaft abgegeben werden. Der Mann muss sich dann wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Im schlimmsten Fall droht eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren.

Personalratsvorsitzender der Polizeidirektion Nord Wolfgang Ladebeck zeigte sich über den Fahndungserfolg zufrieden, mahnt aber an: "Ich erwarte nun von der Justiz, dass das Strafmaß voll ausgeschöpft wird. Eine milde Strafe wäre eine Einladung zu weiteren Gewalttaten."

Reiner Riegg, mit dem Fahndungserfolg konfrontiert: "Ich bin froh, dass der Zeuge so viel Courage gezeigt hat und hoffe, dass die Justiz nun auch richtig handelt. Natürlich wird der Tippgeber auch sein Geld bekommen. Er hat es sich schließlich verdient."

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