Magdeburg l Sachsen-Anhalt hat eine moderne und funktionierende Krankenhauslandschaft. Darüber herrscht unter den Fachleuten auf einer Tagung der Techniker-Krankenkasse (TK) am Donnerstag in Magdeburg Einigkeit. Doch den Standard zu halten, wird schwierig.

Es gehe aber nicht darum, Kliniken zu schließen, meint TK-Landeschef Jens Hennicke, aber "nicht alle Krankenhäuser müssen alles machen". Es müsse mehr Spezialisierung geben. An die Unikliniken appelliert er, mit anderen Häusern zu kooperieren.

Hennicke verweist darauf, dass Investionen von 18 Millionen Euro pro Jahr durch das Land sämtlich für Zinsen der Modernisierungskredite aus den 1990er Jahren aufgebraucht werden. Die Folge: In den 48 Krankenhäusern des Landes inklusive der beiden Uni-Kliniken gibt es einen Investitionsstau.

Sachsen-Anhalt bei Investitionen für Krankenhäuser gefordert

Den beziffert Peter Löbus, Vorsitzender der Krankenhausgesellschaft des Landes, auf 120 Millionen Euro. "Sachsen-Anhalt kommt einer gesetzlichen Verpflichtung zu Ersatzinvestitionen nicht nach", kritisierte Löbus. Auch für Hennicke muss das Land bei Krankenhaus-Investionen mehr leisten.

Anja Naumann, Staatssekretärin im Sozialministerium, kann dazu nur erklären, dass die Haushaltskonsolidierung den Landespolitikern Grenzen setze. "Bei der Krankenhausplanung müssen wir weitere Stellschrauben finden."

Wenn Naumann sagt: "Wir stoßen an Grenzen in unserem System", ist das nicht nur in finanzieller Hinsicht gemeint. Die Staatssekretärin lobt Havelberg mit Klinikum und Medizinischem Versorgungszentrum als Beispiel für neue medizinische Betreuungsformen. Nur fehle im strukturschwachen Norden eine Elbbrücke nach Havelberg.

40 Prozent der Krankenhausmitarbeiter in der Pflege

Jenseits der äußeren Faktoren bricht Peter Löbus eine Lanze für die Beschäftigten in den Krankenhäusern. Sie erhielten nicht die Wertschätzung, die sie verdienten. Teilweise würden sich die Mitarbeiter "unsachlichen, unseriösen Angriffen" ausgesetzt sehen. Es sei kaum bekannt, dass 40 Prozent der Beschäftigten in den Krankenhäusern, in Sachsen-Anhalt insgesamt 11.500, im anstrengenden Pflegebereich tätig seien.

Löbus nennt Kooperation und Vernetzung als Schlüsselbegriffe für die Krankenhäuser der Zukunft. Dies meint die Verknüpfung ambulanter und stationärer Versorgung mit Rehabilitation und Pflege. Dem entspricht mehr ambulante Versorgung durch die Krankenhäuser in der Fläche.

Telemedizin verbindet Praxis und Klinik

Wieder kommt da der Landesnorden mit seinen demografischen Belastungen ins Spiel. Matthias Lauterbach, Geschäftsführer des Altmark-Klinikums mit seinen Standorten in Gardelegen und Salzwedel berichtet, dass die Ärzte durchaus in der Altmark bleiben, wenn man sich etwas einfallen lässt.

So hat das Altmark-Klinikum von 2011 bis 2014 rund 400.000 Euro für Stipendien ausgegeben, die Mediziner an die Region binden sollen. Lauterbach spricht sich zudem für elektronische Hilfen bei der Betreuung aus - mit Telemedizin von der Hausarzt-Praxis bis ans Krankenhaus-Bett etwa.

"Der Weg kann nur sein, Beschäftigte aus der Region für die Region zu finden - für alle medizinischen Berufsgruppen", sagt der Krankenhaus-Chef. Medizinische Versorgungszentren, anderswo noch diskutiert, sind für Lauterbach in der Altmark längst selbstverständlich.

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