Halle (dpa) l Die Insolvenz- und Schuldnerberatungsstellen in Sachsen-Anhalt können nach eigenen Angaben die Nachfrage kaum noch bewältigen. Das zeigt eine Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Bei der Verbraucherzentrale etwa, die jährlich 1.600 soziale Schuldnerberatungen und Insolvenzberatungen verzeichnet, hieß es: "Die Zahlen halten sich seit 2011 etwa die Waage. Das liegt jedoch in erster Linie daran, dass mit den vorhandenen Kapazitäten weitere Beratungen nicht möglich sind." Astrid Albrecht, Leiterin der Schuldnerberatung bei der Verbraucherzentrale, betonte, eine Ausweitung sei aus finanziellen Gründen nicht möglich. Die Beratung Heranwachsender, Alleinerziehender und Rentner habe zugenommen.

Petra Kotzur von der Verbraucherinsolvenzberatung in Sangerhausen sagte, dass jedes Jahr mehr neue Schuldner hinzukommen als Fälle abgearbeitet werden können. Die Bearbeitungszeiten würden länger, Wartezeiten könnten bis zu zwölf Wochen betragen. Akute Probleme würden aber schneller behandelt. Karin Meyenberg, eine von zwei Schuldnerberaterinnen der Diakonie Naumburg-Zeitz, verzeichnet ebenfalls eine wachsende Nachfrage nach Beratung. "Wir beraten sehr häufig die Gruppe der über 35-Jährigen, zunehmend auch Senioren", sagte sie.

Eine Gruppe sieht Meyenberg inzwischen seltener: die der jungen Erwachsenen. "Diese Klienten, oft schlecht ausgebildet und früh Eltern geworden, richten sich eher in ihrer Situation ein und wählen den Weg: Leben mit Schulden, geschützt durch das Pfändungsschutzkonto. Johannes Spenn von der Diakonie Mitteldeutschland betonte, dass die Finanzierung der Beratungsstellen alles andere als auskömmlich sei.

Bezogen auf das ganze Land Sachsen-Anhalt gebe es pro 66.000 Einwohner einen Berater. In den vergangenen Jahren seien keine Beratungsstellen in freier Trägerschaft vergeben worden. Laut Landesverwaltungsamt gab es im Jahr 2012 - aktuelle Zahlen sind nicht verfügbar - rund 12300 Beratungsfälle. Davon habe es sich 4500 Mal um Insolvenzen gehandelt, knapp 6.300 Mal gab es eine Schuldenberatung, rund 1.500 sonstige Beratungen kamen hinzu.

Sachsen-Anhalt fördert die Insolvenzberatungsstellen laut Landesverwaltungsamt in diesem Jahr mit 1,55 Millionen Euro. Für die Schuldnerberatungen zahlen die Kommunen. Hilfsangebote gibt es in Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau sowie in allen Landkreisen.