Magdeburg/Berlin l Die Magdeburger Außenstelle des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen ist vom Aus bedroht. Behördenleiter Roland Jahn will künftig in jedem ostdeutschen Bundesland nur noch einen Ableger unterhalten. Für Sachsen-Anhalt soll das wegen der Nähe zum Gefängnis "Roter Ochse" die Stadt Halle sein.

Diesen Vorschlag hat Jahn jetzt Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in einem internen Schreiben unterbreitet, wie Jahns Sprecherin Dagmar Hovestädt der Volksstimme sagte. Sie bestätigte damit einen Bericht der Berliner Zeitung. Allerdings betonte sie, es sei noch keine Entscheidung gefallen. "Das Papier fasst lediglich die Gespräche zusammen, die Jahn im vergangenen halben Jahr mit den Ländern geführt hat."

Das auch von der Stasi genutzte Gefängnis Roter Ochse sei geeignet, den Repressionscharakter des SED-Regimes zu vermitteln, heißt es in Jahns Schreiben an Grütters. Auch die Nähe zur Universität und dem Landesinstitut für Lehrerbildung spreche für Halle.

Die Entscheidung über die künftige Struktur der Behörde wird der Bundestag treffen. Die Zahl der Anträge auf Akteneinsicht war in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Von den Planungen nicht betroffen ist die Landesbeauftragte für Stasi-Unterlagen.

Unterdessen will die Landesregierung mehr für die politische Bildung von Schülern tun. Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) kündigte am Sonntag an, Schulklassen könnten in diesem Jahr kostenfrei in sechs Gedenkstätten fahren, darunter die Einrichtungen Roter Ochse und Moritzplatz Magdeburg, aber auch das ehemalige KZ Lichtenburg-Prettin.

Die Fahrtkosten will die Landeszentrale für politische Bildung übernehmen, solange die Mittel dafür reichten. "Am Geld sollte ein Besuch in diesem Jahr der Erinnerung jedenfalls nicht scheitern", sagte Dorgerloh.