Moscheen in Sachsen-Anhalt

In Sachsen-Anhalt gibt es vier islamische Gemeinden mit Moscheen: Die größte Gemeinde existiert in Halle, weitere in Magdeburg und Dessau-Roßlau und seit kurzem auch in Stendal. Dort hat der in Gründung befindliche Verein Islamische Gemeinde Stendal gerade ein Kulturzentrum bezogen.

Eine Moschee muss weder Kuppel noch Minarett haben. Muslime definieren sie als Gebetsraum, der groß genug ist, um alle Gemeindemitglieder für das Freitagsgebet zu fassen. Laut Koran ist die Teilnahme daran für Jungen und Männer Pflicht, für Frauen empfohlen.

Abgesehen von Berlin steht in Ostdeutschland noch kein sichtbar muslimisches Gotteshaus. In Leipzig gibt es seit Monaten Streit, weil eine Gemeinde im Stadtteil Gohlis eine Moschee mit Minaretten bauen will. Eine Bürgerinitiative, der der Verfassungsschutz deutliche Nähe zur NPD bescheinigt, sammelt Unterschriften dagegen. (epd/bb/st)

Magdeburg l Das Freitagsgebet ist für Muslime das wichtigste Gebet der gesamten Woche - und für die Muslime in Magdeburg eine Qual. Zu Hunderten drängen sie sich dann in eine kleine Baracke in Rathausnähe, in der seit 2001 die Moschee der islamischen Gemeinde untergebracht ist.

Sie beten schon in der Küche, im Flur, manche gar auf der Straße. "Die geparkten Autos der Besucher sorgen oft für Ärger mit Anwohnern", sagt Moawia Al-Hamid, Vorsitzender der islamischen Gemeinde. Im Dezember, wenn Weihnachtsmarkt ist, sei gar kein Durchkommen mehr.

Magdeburg lehnt alle Anträge ab

Nach Sachsen-Anhalt kommen immer mehr Flüchtlinge, aber auch Studenten und Fachkräfte mit islamischem Hintergrund. "Vor allem an den Hochschul-Standorten besteht reges Interesse an der Glaubensausübung", beobachtet Susi Möbbeck (SPD), Integrationsbeauftragte des Landes. Gerade erst wurde in Stendal ein Kulturzentrum eröffnet (siehe Infokasten).

Weil mittlerweile in Spitzenzeiten mehr als 400 Gläubige mit 22 Nationalitäten in die Moschee strömen, will auch die Gemeinde in Magdeburg raus aus ihrer Baracke, für die die städtische Wohnungsbaugenossenschaft monatlich 1500 Euro Warmmiete nimmt. Bereits seit 2005 suchen die Mitglieder neue, größere Räume, möglichst zum Kauf - und sind mittlerweile mit ihrer Geduld am Ende.

"Wir haben in den vergangenen sieben Jahren bei der Stadt mehrere Anträge auf Genehmigung durch uns vorgeschlagene Objekte gestellt. Alle wurden abgelehnt", sagt Moawia Al-Hamid. Vier von der Stadt angebotene Objekte seien zu klein gewesen. Eine Turnhalle, an der die Gemeinde interessiert war, habe die Stadt anderweitig verkauft. "Das Resultat: Wir sind bis heute in dieser Baracke begraben", klagt der an der Universität Magdeburg arbeitende Ingenieur.

Stadt Magdeburg verweist auf baurechtliche Gründe

"Diese Baracke ist einer Moschee und einer Landeshauptstadt unwürdig. Im Winter ist sie kaum beheizbar, dabei werden dort Kinder unterrichtet", kritisiert der Magdeburger Islamwissenschaftler Mieste Hotopp-Riecke. Die Stadt solle die Gemeinde "aus dem Hinterhof rausholen", fordert auch Susi Möbbeck. Die Baracke präge ein negatives Bild der Muslime - dabei stehe die Gemeinde in Magdeburg für einen modernen und weltoffenen Islam.

Die Stadtverwaltung teilt mit, die Ablehnungen hätten zum Teil baurechtliche Gründe. Laut Baunutzungsverordnung seien kirchliche Einrichtungen möglichst im Innenstadtbereich unterzubringen, andererseits aber der Lärmschutz zu beachten, da es in einer Moschee Gebetszeiten nach 22 Uhr geben könne. Die Stadtverwaltung habe außerdem über mehrere Jahre hinweg große Wohnungsgesellschaften und Grundstückseigentümer informiert und um Hilfe gebeten, so Sprecher Michael Reif.

Eine Lösung ist nicht in Sicht, die Fronten sind verhärtet. Susi Möbbeck will nun den Dialog über das Problem anstoßen. Am 7. Mai plant sie ein Gespräch mit den vier islamischen Gemeinden im Land. Ihre religiösen Interessen würden bislang zu wenig wahrgenommen. "Das muss sich ändern", so Möbbeck.

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