Halle (dpa) l Der Aufschwung in der Wirtschaft kommt am Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt laut Experten nicht bei allen an. "Das größte Problem ist, dass Menschen, die ein, zwei Jahre und noch länger arbeitslos und älter sind, nicht von der guten Entwicklung partizipieren", sagte Kay Senius, Chef der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit.

Im Land seien etwa 44 Prozent aller Langzeitarbeitslosen über 50. Nötig seien neue öffentliche Beschäftigungsarten, "weg vom ABM-Image, hin zu einem sinnerfüllten, gut bezahlten und gemeinwohlorientierten sozialen Arbeitsmarkt", meinte Senius. Zudem schrumpfe das Potenzial an Arbeitskräften angesichts des demografischen Wandels, da es an jungen Menschen mangele.

Er bekräftigte seine Forderung nach Jobs im gemeinnützigen Bereich nach dem Vorbild der Bürgerarbeit: "Es hilft auch nichts, wenn wir Langzeitarbeitslosen und Älteren sagen, mach noch einen Lehrgang oder noch eine Maßnahme."

50.800 Arbeitslose ab 50 Jahre in Sachsen-Anhalt

Ostdeutsche Unternehmen seien aufgrund der regionalen Wirtschaftsstruktur oftmals einfach nicht in der Lage, Langzeitarbeitslose einzuarbeiten. Dafür fehle ihnen Zeit und Personal. Zudem gebe es Vorurteile auch Älteren gegenüber, sie würden nicht genügend Leistung bringen.

In Sachsen-Anhalt waren im März rund 136.100 Menschen arbeitslos, davon 50.800 im Alter ab 50 Jahren. Etwa 47.500 Männer und Frauen waren länger als ein Jahr ohne Job. Zum Vergleich: Rund 10.200 junge Menschen (bis 25) hatten keinen Job.