Magdeburg l Die Firma Merkur Spielbanken verhandelt momentan mit der Stadt Magdeburg über einen Standort für ein neues Casino. "Wir haben ein Objekt im Blick", erklärte Merkur-Specher Mario Hoffmeister auf Volksstimme-Anfrage. Auch die Stadt bestätigte die Gespräche.

Um welchen Standort es sich genau handelt, wollen die Verhandlungspartner vorerst für sich behalten. Der Investor hat aber bereits konkrete Vorstellungen, was er Spielern in der Landeshauptstadt künftig bieten möchte: mehr als 100 Automaten und dazu die "großen Spiele". "Wir werden unter anderem Roulette und Black Jack anbieten", so Hoffmeister. Außerdem seien regelmäßige Poker-Turniere geplant.

Erster Privatisierungsversuch scheiterte im Jahr 2011

Mindestens 30 neue Arbeitsplätze sollen in der Spielbank entstehen. Und Hoffmeister ist sicher, dass sich eine neue Spielbank lohne: "Der Markt gibt das her, auch wenn Spielbanken keine Selbstläufer sind."

Tatsächlich liefen Spielbanken in Sachsen-Anhalt in der Vergangenheit eher schlecht. In den Jahren 2008 und 2009 zahlte das Land in den drei staatlichen Casinos in Magdeburg, Halle und Wernigerode insgesamt drei Millionen Euro drauf. 2009 wurden sie deshalb an die israelisch-zypriotische Sybilgroup verkauft. Diese wollte in Vockerode an der A9 sogar ein "Las Vegas des Ostens" mit Tausenden Arbeitsplätzen aufbauen, geriet jedoch schnell in ein finanzielles Debakel. 2011 zog das Land die Lizenz ein und ordnete die Einstellung des gesamten Spielbetriebs an.

2012 hat das Land die Lizenz europaweit neu ausgeschrieben und gibt den Merkur Spielbanken nun die Chance, neue Casinos zu betreiben. Die Lizenz gilt für Magdeburg und für Halle/Günthersdorf. Wernigerode ist als möglicher Standort weggefallen.

Über Spielbankabgabe verdient das Land mit

"Für Günthersdorf haben wir bereits den Bauantrag gestellt", sagt Mario Hoffmeister. Der neue Standort liegt in einem Einkaufspark an der A9 zwischen Halle und Leipzig. Hoffmeister ist sich sicher, dass beide Standorte funktionieren werden. In dem Fall würde das Land über die Spielbankabgabe kräftig mitverdienen. "Je höher die Umsätze, desto höher die Abgabe an das Land", so Hoffmeister.

Bei den Millionen-Umsätzen, die gewöhnlich in Spielbanken anfallen, wundert es nicht, wenn die Casinos vom profitierenden Staat weniger reglementiert werden als die 286 kleinen Spielhallen im Land. Im Unterschied zu Spielbanken dürfen sie nur eine begrenzte Zahl von Automatenspielen anbieten, dürfen keine alkoholischen Getränke ausschenken und müssen Sozialkonzepte gegen Spielsucht vorlegen.

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung gelten rund 15000 Menschen in Sachsen-Anhalt als spielsüchtig.