MG-Schützen aus der Börde

Magdeburg (os) l Mit dem Schicksal des jungen MG-Schützen Otto Mehnert aus der Magdeburger Börde beschäftigt sich ausführlich eine Internetseite, die Heimatforscher Sven Janke aus Bornheim (Nordrhein-Westfalen) erstellt hat (www.pg-grau.de). Mehnert war 1916 als 18-Jähriger in französische Kriegsgefangenschaft geraten. Erst im März 1920 wird er entlassen. Seine von ihm notierten Erlebnisse wurden 2013 wieder aufgefunden.

Sven Janke recherchierte die Lebensumstände des jungen Soldaten und ist dabei, sie auf einer eigens eingerichteten Internetseite darzustellen. "Die Aufzeichnungen schildern die Umstände seiner Gefangennahme am Douaumont und das Leben im Fort", berichtet der Heimatforscher. In seinen Aufzeichnungen schildert er auch die Zeit als Kriegsgefangener ("PG") während des Krieges sowie seine Erlebnisse nach dem Waffenstillstand 1918 bis zur Entlassung.

Hasselfelde l Der Kaufmann Robert Unger wurde am 28. Dezember 1861 in Hasselfelde geboren und verlebte hier seine Kindheit. Bevor er 1909 mit seiner Familie in die USA auswanderte, lebte und arbeitete er als Inhaber mehrerer Handelsfirmen in Braunschweig, Bromberg (ehem. Provinz Posen) und Berlin.

Nach der Ankunft in der Neuen Welt arbeitete der Geschäftsmann zunächst einige Jahre in Philadelphia und gründete dann in Davenport/Iowa ein Großhandelsunternehmen für Kaffee und Tee. Als ein sehr heimatverbun- dener Mensch verfolgte er trotz kontinentaler Entfernung mit großem Interesse die aktuellen Geschehnisse in Deutschland und Europa.

Der Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 und die in der Folgezeit immer größer werdende Not in der Bevölkerung machten ihn sehr betroffen und ruhelos. So rief er unter den deutschstämmigen Amerikanern im Bundesstaat Iowa eine für die damalige Zeit sehr bedeutende Spendenaktion ins Leben, um seinen hungernden Landsleuten Hilfe zukommen zu lassen. Robert Unger nahm Kontakt mit vielen Behörden und Kirchenverwaltungen im Braunschweiger Land auf, um sicherzustellen, dass seine umfangreiche Sammlung von Kleidung, Lebensmittel-Konserven und Geld nach der Ankunft aus Übersee den Bedürftigsten zugute kommt. Dabei lag ihm seine Hilfe für die Städte Hasselfelde und Braunschweig besonders am Herzen. Außerdem begründete Robert Unger in New York einen "Krieger-Waisenhaus-Fonds" zur Hilfe für Kinder im Raum Braunschweig, deren Väter auf dem Schlachtfeld des Krieges geblieben waren.

Viel Beachtung für die selbstlose Hilfsaktion

Diese selbstlose Hilfsaktion, die ihn selbst und seine Familie zeitweise in finanzielle Schwierigkeiten brachte, löste eine weitreichende Beachtung und Anerkennung aus. Deshalb erhielt Robert Unger damals im Braunschweiger Land den Zunamen "Retter in der Not". Auch an der Finanzierung des im Juni 1921 auf dem Marktplatz eingeweihten Kriegerdenkmals beteiligte sich Robert Unger von Amerika aus mit einem Spendenbetrag von 3000 Mark. Die großen Metallplatten mit den Namen der gefallenen Söhne der Stadt Hasselfelde wurden im Juli 1946 vom Denkmal entfernt. Ihr Verbleib ist bis heute unbekannt.

Im April 1922 verlieh die Stadt Hasselfelde ihrem Sohn und Wohltäter Robert Unger für seine selbstlose Hilfe während des Ersten Weltkrieges und der Zeit danach die Ehrenbürgerwürde. Sein immerwährendes Heimweh und die Verschlechterung der Gesundheit werden dazu beigetragen haben, dass er schon im Juli 1922 mit seiner Frau wieder nach Deutschland und in den Harz zurückkehrte. Er starb am 23. September 1923 in Blankenburg und erhielt auf dem Friedhof seines Geburtsortes Hasselfelde ein Ehrengrab.

Die Hilfsaktion eines deutschen Geschäftsmannes, organisiert und durchgeführt vom Boden der USA aus, wurde später in der Ideologie der beiden Diktaturen nicht gern gesehen. An diesen von christlicher Nächstenliebe geprägten Menschenfreund sollte es keine Erinnerung geben.

"Wer schnell hilft, hilft doppelt"

Nach der Wiedervereinigung wurde es den Hasselfeldern möglich, auch in Archiven Westdeutschlands und in den USA nach verlorengegangenen Lebensdaten und Spuren zu dieser Ehrenbürgerschaft zu suchen. Am 28. Dezember 2011, dem 150. Geburtstag von Robert Unger, fand schließlich nach vielen Jahrzehnten wieder ein ehrenvolles Gedenken mit der Pfarrerin Antje Labahn, dem Bürgermeister Heiko Kaschel und Vertretern der Bürgerschaft an der inzwischen neu gestalteten Ruhestätte des Ehrenbürgers statt.

Das humanitäre Handeln von Robert Unger in der leidvollen Zeit des Ersten Weltkrieges hatte er damals selbst unter das Motto "Wer schnell hilft, hilft doppelt" gestellt. Es hat bis heute nichts an seiner Gültigkeit verloren.

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