Calbe/Saale l Der Bahnhof Calbe (Ost) ist Dienstagmorgen zur eneuten Zielscheibe eines seit Monaten gesuchten Feuerteufels geworden. Unterhalb einer Fußgängerüberführung ging ein ehemaliges Bahnwärterhäuschen gegen 5 Uhr zwischen Bahngleisen lichterloh in Flammen auf. Zudem zündelten bislang Unbekannte sowohl am leerstehenden Hauptgebäude als auch an einem Nebengebäude sowie einer verwaisten Villa in unmittelbarer Nachbarschaft.

35 Kameraden aus der Saalestadt, dem Ortsteil Schwarz sowie der benachbarten Gemeinde Barby konnten die Feuer löschen. Personen kamen nicht zu Schaden. Zuvor mussten die Oberleitungen vom Stromnetz getrennt und geerdet werden.

Der Bahnverkehr in beiden Fahrtrichtungen zwischen Magdeburg und Köthen wurde gesperrt. "Es hat erhebliche Einschränkungen im morgendlichen Berufsverkehr gegeben", sagt Bahn-Sprecherin Erika Poschke-Frost. "Der Fernverkehr wurde über Dessau umgeleitet, im Nahbereich wurde Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet." Nachdem Bahnmitarbeiter die Oberleitungen auf mögliche Schäden überprüft hatten, konnte die Sperrung kurz vor 8 Uhr wieder aufgehoben werden.

Die Bundespolizei hat die Brandorte am Bahnhof auf Spuren untersucht und ermittelt zusammen mit der Landespolizei wegen Brandstiftung.

Der Bahnhofsbrand war an diesem Morgen der vorläufige Schlusspunkt einer Reihe von Bränden. Bereits am Montagabend brannte es an einem leerstehenden Garagenkomplex in der Calbenser Innenstadt. Am Morgen gegen 4.30 Uhr ging eine Wiesenfläche im Calbenser Naherholungsgebiet in Flammen auf.

Seit November vergangenen Jahres gehen mehr als 50 gelegte Brände auf das Konto eines oder mehrerer Brandstifter. Die Feuer waren - oft mehrfach an derselben Stelle - in Wohnhauskellern, Ruinen, Gartenlauben, Müllcontainern, an Autos und Lkw gelegt worden. Verletzte gab es bisher keine. Meist fanden die Ermittler an den Tatorten Reste von Brandbeschleuniger. Eine vierköpfige Sonderkommission geht von einem oder mehreren Serienbrandstiftern aus, die in der Saalestadt im Salzlandkreis ihr Unwesen treiben. Neben zahlreichen Zeugen wurden bisher auch Verdächtige vernommen. Einer von ihnen wurde nach Volksstimme-Informationen bereits mehrfach ein Opfer von Körperverletzungen.