Gorleben l Auf den ersten Blick klingt es wie eine Sensationsmeldung: Der gesamte Erkundungsbereich I im Salzstock Gorleben wird von allen Betriebseinrichtungen und -anlagen geräumt, die Bohrlöcher verfüllt und dann so abgesperrt, dass er nicht mehr betreten werden kann. Besucherverkehr soll zukünftig - sofern das Landesministerium dies zulässt - nur noch in den Schächten außerhalb des Erkundungsbereichs stattfinden. Ein entsprechender Antrag auf Genehmigung des Hauptbetriebsplans für diesen "Offenhaltungsbetrieb" im Salzstock Gorleben ist laut Peter Hart in Vorbereitung und wird kurzfristig eingereicht.

Es sei auch nicht geplant, die aufgefahrenen Stollen regelmäßig von Salzsedimenten zu räumen, so Hart, im Bundesumweltministerium Leiter der Abteilung Nukleare Ver- und Entsorgung. Doch Bierseligkeit kam bei den anwesenden Gorlebengegnern nicht auf. Wie sich im Verlauf des Abends verdeutlichte, bleiben weiterhin alle Optionen für eine Endlagerung in Gorleben offen.

14 Varianten geprüft: Entscheidung für flexibel statt günstig

"Wir haben im Ministerium lange überlegt, wie wir den Offenhaltungsbetrieb, der jetzt nach dem Standort-Auswahlgesetz vorgesehen ist, gestalten wollen," so Hart. "Letztendlich ging es darum, eine Variante zu finden, die nach der Offenhaltung einen möglichst kostengünstigen Weg entweder in die Erkundung oder in die Stilllegung bietet."

14 Varianten habe man im Ministerium geprüft, unter anderem auch die Extreme der vorweggenommenen Stilllegung mit Verfüllung der Schächte oder einem Offenhaltungsbetrieb auf dem Niveau des Moratoriums. Es habe sich jedoch keine Variante gefunden, die sich "bei jeglicher Form der Weiternutzung" als günstigste herausgestellt habe. "So haben wir uns für die Variante entschieden, die uns die größtmögliche Flexibilität erlaubt."

Bis mindestens zum Jahre 2022 wird es wohl dauern, bis klar sein wird, ob es eine weitere Erkundung in Gorleben geben wird. "Solange muss der Offenhaltungsbetrieb weiterlaufen," so Hart. "Diesen langen Zeitraum mussten wir bei unserer Entscheidung für eine Variante auch berücksichtigen."

Wie Wilhelm Hund, beim Bundesamt für Strahlenschutz zuständig für das "Projekt Gorleben" erläuterte, waren die Erkundungsarbeiten im sogenannten Bereich "I" bis auf "einige wenige Tiefbohrungen" bis zur Einstellung erledigt. Wenn die Erkundung jetzt nicht durch das Standortauswahlgesetz gestoppt worden wäre, so wäre es im Erkundungsbereich III weitergegangen.

Ungewissheit über die Zukunft der Arbeitsplätze

Dieser liegt östlich vom Erkundungsbereich I, der jetzt in den nächsten zwei Jahren verschlossen werden soll. Sollten die Erkundungen tatsächlich wieder aufgenommen werden, so könnte der Zugang entweder über den bereits aufgefahrenen (dann aber verschlossenen) Stollen des Erkundungsbereichs geschaffen werden. "Falls dies aus irgendwelchen Gründen nicht möglich sein sollte, so könnte ein neuer Stollen parallel zu dem anderen Stollen aufgefahren werden, um in den EB III zu kommen," so Hund.

Da die überirdischen Anlagen sowie die Zufahrtsschächte nebst zentralen Einrichtungen weiterhin in Betrieb gehalten werden, bleibt also die weitere Erkundung - wenn auch mit erhöhtem Aufwand - weiterhin möglich.

Andererseits, so Hund, wäre mit der jetzt gewählten Variante auch eine vollständige Stilllegung des Bergwerks vorbereitet.

Etwa zwei Jahre wird es dauern, bis alle Betriebseinrichtungen- und Anlagen samt der Versorgungsleitung entfernt und die Tiefbohrlöcher verfüllt sind. Peter Hart konnte nicht sagen, wieviele Arbeitsplätze im Bergwerk gehalten werden können. "Das hängt von der Arbeitsstruktur des Betreibers ab. Es wäre Spekulation, eine konkrete Anzahl zu nennen," so Hart - schätzte deren Anzahl aber auf "ungefähr 50".

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