Wöhningen l Pferdenarr Jürgen Eickmann aus dem wendländischen Wöhningen hat einen Plan: Mit drei Pferden - argentinischen Criollos - will der Ex-Knacki nach Spanien aufbrechen. Es wird eine Reise, um zu gesunden - körperlich und mental. Die Wohnung ist gekündigt, die letzten Vorbereitungen abgeschlossen.

Jürgen Eickmann hat lange im Knast gesessen. "Genau acht Jahre, sechs Monate, drei Tage und vierzig Minuten". Der Hühne mit klaren blauen Augen hat einen Händedruck wie ein Schraubstock. "Die Kraft ist das einzige, was mir geblieben ist", sagt der 53-Jährige, "trotzdem bin ich arbeitsunfähig". Auf die Nachfrage, warum, legt er wortlos eine dicke Krankenakte auf den Tisch. Polyarthritis, Gicht in den Händen, Bluthochdruck, chronische Schmerzen.

"Woher das kommt? Zuviel gearbeitet früher", sagt er. Seine Hände sind angeschwollen, weil er am Tag zuvor einem Kumpel beim Heumachen geholfen hat. "Aber Freund ist Freund", sagt Eickmann. Eine Batterie von Medikamenten macht sein Leben erträglich. Das viele Cortison hatte ihn mächtig aufgeschwemmt, sein Gewichtshoch lag im vergangenen Jahr bei 154 Kilo. Er hat inzwischen wieder einiges abgenommen, damit er auf seine Criollos passt. Die duldsame Rasse aus Argentinien ist genau das richtige für sein Vorhaben.

Criollos gelten als widerstandsfähige Pferderasse

Der Criollo gilt als eines der widerstandsfähigsten und zähesten Pferde der Welt. Er kann auch bei extremen klimatischen Bedingungen mit nur wenig Futter auf der Weide auskommen und widersteht Hitze und Kälte. Er ist sehr ausdauernd - und genau das braucht Eickmann. Er will nach Spanien reiten, mit drei Pferden und einem Hund. Wer ihn kennt, weiß, dass es ihm ernst ist, dass er durchzieht. Seine Motivation: "Eigentlich bin ich tot. Ich möchte wieder lebendig, wieder gesund werden". Auch psychisch. Der Weg als Ziel.

Eickmann hat bei einer Reise bemerkt, dass ihm das Klima in Spanien gut tut, dass er dort ohne Medikamente auskommt. Es wird ein Versuch. Und die Reiseroute? "Die hat Reddy auf dem Gewissen", grollt Eickmann. 14 Tage hatte er schon an der Planung gesessen, 2600 Kilometer auf Nebenstrecken ausgewählt. Bis sein Australian Cattle Dog Reddy die Papiere regelrecht schredderte - "die ganze Wohnung war voller Fetzen".

Die grobe Planung: Nach Süden. Nächste Woche soll es losgehen. Und eins ist ihm ganz wichtig: "Ich muss unbedingt an einem Sonnabend oder Sonntag in Celle über die Allerbrücke reiten. Dann können meine Kumpels aus dem Knast gucken. Die sitzen dann auf ihrer Hütte (Anm. d. Red.: ihre Zellen)".

Sein Ziel: Lorca bei Muncia, in der Nähe von Alicante. "Dort wohnt ein alter Kumpel von mir", berichtet Eickmann. Alte Kumpels sind wichtig für einen wie ihn, der über acht Jahre gesessen hat. Und nicht reiten konnte in der Knast-Zeit.

Früher, so belegt ein alter Zeitungsartikel, war er ein großer Züchter, da hatten er und seine Ex-Frau ihr Leben vollkommen nach den Pferden ausgerichtet. Er hat sich das Criollo-Zeichen sogar auf den Oberarm tätowieren lassen. "Ich hatte mal 35 Pferde".

Und irgendwann passierte diese Sache mit einigen falschen Freunden. "Geklaut habe ich nichts, ich habe das Zeugs nur verschoben", erinnert er sich. Dem Richter reichte es für achteinhalb Jahre.

"Durch den Knast und die Scheidung habe ich alles verloren", sagt er lakonisch. "Damit der Cowboy wieder ein Pferd hat, haben Freunde mir ein Pferd gegeben, als ich aus dem Knast kam", erinnert sich Eickmann. Inzwischen hat er sich einiges wieder aufgebaut. Auf seinem Anwesen in Wöhningen blicken eine Handvoll Criollos neugierig aus ihren Boxen auf den Reitplatz, freundliche Australian Cattle Dogs umwuseln die Besucher.

Über Facebook-Seite können Interessenten den Trip verfolgen

Die Dauer, die Länge des Weges? "Das ist völlig egal, ich habe doch Zeit". Zwei Pferde tragen das Gepäck - zwei Packtaschen und einen Seesack -, das dritte den Reiter. Die Pferde wechselt er dabei ab. Begleitet wird Eickmann außerdem von Reddy, seinem vierbeinigen Schredder.

Unterwegs, so plant es Eickmann, will er auch mal Vorführungen geben, über die Rasse Criollo berichten, und zeigen, wie man mit dem Lasso umgeht. Das beherrscht Eickmann meisterhaft. Über seine Facebook-Seite können Interessenten den Trip verfolgen und ihn gerne ein Stück des Weges begleiten.

Der gebürtige Hannoveraner hat Zimmermann gelernt. Für Pferde hat er sich von klein auf interessiert. "Fußball und Saufen, wie für die anderen Dorfjungs, das war nichts für mich", erinnert sich der passionierte Reiter. "Einmal ,als junger Mann, bin ich auch bis zum Münchener Ortsschild geritten, das hat drei Monate gedauert. Ich hatte doch Zeit! Von Baggersee zu Baggersee, die Frauen fanden mich klasse", sagt er.

Seinen Mietvertrag hat er schon gekündigt. Wenn er 2015 zurückkehrt, will er sich "ein kleines, billiges Häuschen im Osten" suchen - dort, wo er schon seine große Pferdezucht hatte. "Wenn alles glatt geht, will ich nächstes Jahr wieder zurückreiten, dieselbe Strecke", träumt Eickmann. Und vielleicht wieder gesund, an Leib und Seele.

Interessenten können das Abenteuer per Facebook miterleben - einfach nach Jürgen Eickmann suchen. Auch Mitreiter sind willkommen.