Magdeburg l Die Piraten in Sachsen-Anhalt durchleben schwere Zeiten. Nur 2,2 Prozent der Stimmen erhielten sie bei der Bundestagswahl, die Europawahl ging für sie mit 1,3 Prozent in die Hose. Beim Landesparteitag am Sonnabend in Dessau wollen die Freibeuter nun einen neuen Landesvorstand wählen. Ihre derzeitige Chefin Anne Funke will jedoch "voraussichtlich" nicht mehr kandidieren. Sie fühlt sich ausgebrannt.

Funke erklärt, die Wahlkämpfe hätten viel Energie gekostet. Hinzu kämen die ewigen Streitereien in der Partei. "Wir haben in Sachsen-Anhalt Defizite in der Kommunikation", sagt die 26-Jährige. So mancher hätte sich etwa bei Diskussionen über den Nachrichten-Dienst Twitter "im Ton vergriffen".

Die Piraten setzen schon länger darauf, mithilfe neuer Medien demokratische Mitbestimmung zu fördern. Ausgerechnet das fällt ihnen aber auf die Füße, wenn sie sich auf inhaltliche Positionen einigen wollen. "Mit Instrumenten wie Twitter können einzelne ihre Meinung einem großen Publikum präsentieren - dadurch werden Probleme auch viel stärker wahrgenommen als nötig", erklärt Partei-Sprecher René Schernikau.


Satzungsänderung möglich

Der kommende Parteitag könnte sich - wie es beinahe schon Tradition ist - wieder in die Länge ziehen. Selbst die Tagesordnung ist unter den Delegierten strittig, im Internet kursiert bereits eine Alternativ-Fassung. Abgesehen davon wollen sich die Piraten gleich mit einer ganzen Reihe von Punkten beschäftigen: Neben den Vorstandswahlen wollen sie über Satzungsänderungen und eine ständige Mitgliederversammlung diskutieren. "Es geht um die Frage, ob Aufgaben künftig stärker zentralisiert werden oder ob die Regionen mehr Verantwortung bekommen", sagt Schernikau.

Dass der Parteitag dazu taugt, ein Aufbruchsignal zu senden, ist zu bezweifeln. "Ganz einig werden wir uns wohl nie sein", sagt Anne Funke. Dafür seien die Mitglieder viel zu unterschiedlich.

Was bei den Vorstandswahlen herauskommt, ist ebenfalls völlig offen, aussichtsreiche Kandidaten gibt es nicht. Für den Chefposten kandidiert unter anderem Markus Hünniger. In seiner Internet-Bewerbung schreibt er, "die aktuelle Arbeit der Piraten ist geprägt von Shitstorms, Diffamierung, Hetze und Mobbing". Es gehe nun darum, die Stagnation und Blockade im Landesverband zu beenden. Anne Funke unterstützt ihren Partei-Sprecher Schernikau, der allerdings nur als Vize-Chef kandidiert. "René Schernikau arbeitet sehr kompromissorientiert und kann für Harmonie sorgen."

Klar ist: Die Piraten müssen sich langsam zusammenraufen, wenn sie 2016 bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt eine Chance haben wollen.