Magdeburg l Mit neuen Mindestschülerzahlen wollte Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) teure Mini-Grundschulen schließen. Vor zwei Jahren hatte er angekündigt, rund 60 Schulen würden nicht zu halten sein. Im März standen 41 Standorte auf der Streichliste - mittlerweile spricht das Ministerium von knapp 30 Schulen. Und noch immer gibt es unklare Fälle.

In Angern (Landkreis Börde) wussten Lehrerinnen und Eltern auch am Tag der Zeugnisübergabe noch nicht, ob die Kinder nach den Ferien in ihre Dorfschule zurückkehren oder mit Bussen ins sieben Kilometer entfernte Burgstall gefahren werden.

"Wir gehen völlig unvorbereitet ins neue Schuljahr. Wir wissen nicht mal, welches Schulmaterial wir kaufen sollen, weil ja jede Schule etwas anderes will", klagt Konstanze Wedekind, Mutter eines Zweitklässlers. Wegen der unklaren Zukunft hat das Land die vor kurzem ausgeschiedene Schulleiterin nicht mehr ersetzt. Eine Lehrerin muss ihre Arbeit zusätzlich schultern.

"Wir wissen nicht mal, welches Schulmaterial wir kaufen sollen."
- Konstanze Wedekind

Was das Dorf noch nicht weiß: Auch im neuen Schuljahr geht es in Angern weiter. Auf Volksstimme-Nachfrage legt sich das Landesschulamt fest: Erstklässler darf die Schule nicht mehr aufnehmen, die anderen drei Jahrgänge aber bleiben, wo sie sind.

Grund für die andauernde Unsicherheit ist offenbar eine Gesetzeslücke. Der Kultusminister hat festgelegt, wie groß Schulen mindestens sein müssen. Ist eine Schule zu klein, muss der Träger sie schließen. Für Angern lehnt der Verbandsgemeinderat Elbe-Heide das aber kategorisch ab. Das Landesschulamt sieht keine Handhabe, Dorgerlohs Mindestschülerzahlen auch durchzusetzen. Man setze auf Beratung, um in den offenen Fällen "verordnungskonforme Regelungen" zu erreichen, heißt es aus der Behörde.

Auch anderswo trotzen Kommunalpolitiker den Vorgaben des Landes. In Cobbelsdorf bei Wittenberg wird die Schule nach den Ferien für nur noch 15 Schüler geöffnet, gereinigt und mit Lehrern versorgt. Auch in diesem Fall hat das Landesschulamt die Aufnahme von Erstklässlern untersagt, die anderen drei Jahrgänge laufen weiter.

"Leider müssen wir heute die Segel streichen." - Ortsbürgermeister Jürgen Meenken

In vielen Landkreisen gab es am Freitag Abschiedsfeiern für teils jahrhundertealte Schulen. In Langenstein (Landkreis Harz) flossen Tränen. "Leider müssen wir heute die Segel streichen", sagte Ortsbürgermeister Jürgen Meenken (CDU). Für das neugewählte Dorfoberhaupt war es der erste öffentliche Termin.

In Neundorf (Anhalt) im Salzlandkreis tröstete Schulleiterin Hilka Waschk die Kinder mit Schlüsselanhängern in Herzform.